Inhaltsverzeichnis

Friedrich Erdmann August Heydenreich...Pastor in Merseburg...1763/1847

Nikolaus Lübich...Bischof von Merseburg...1380-1441

Johann Samuel Agner...evangelischer Geistlicher...1701/1769

Michael Helding...letzter katholischer Bischof...1506/1561

Otto Küsgtermann...evangelischer Pfarrer und Historiker...1834/1913

Johann Sittig...evangelischer Geistlicher...1664/1714

Thilo von Trotha...katholischer Bischof...1466/1514

Ludwig ...Baumgarten-Crusius...Geheimer Kirchenrat...1788/1843

 

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Friedrich Ermann August Heydenreich

Über das Leben des Friedrich Ermann August Heydenreich wissen wir nur weniges. Er wurde am 3.10.1763 in Schäfstädt geboren und verstarb am 7.7.1847 in Merseburg. Er war als Dom-Diakonus und Pastor tätig und verfasste mehrere theologische und pädagogische Bücher. Da Aufwand, Kosten und Vertrieb für Verleger nicht unerheblich und seine Bücher über einen längeren Zeitraum von 1796 bis 1834 erschienen sind können wir annehmen, dass er ein zu seiner Zeit ein gern gelesener Fachbuchautor war. Zudem sind sämtliche unten genannten Bücher in der Zeitschrift: Jenasche Allegemeine Literatur Zeitung rezensiert worden, teilweise auch in anderen Literaturzeitungen, teilweise sehr umfangreich über 3 bis 4 Seiten. Die Rezension eines Werkes habe ich unten wiedergegeben. Sie stellt ein interessantes Kultur- und Sittenbild der Zeit um 1800 dar, zum einen über das behandelte Thema, den Bauern/ Landmann und sein Verhältnis zur Religion als auch die Sicht des Theologen zu diesem Thema.


 

Hier eine nicht vollständige Auswahl der erschienen Schriften:

Über den Character des Landmanns in religiöser  Hinsicht. Ein Beytrag zur Psychologie für alle, welche auf das religiöse Bildungsgeschäft desselben Einfluss haben, — vorzüglich für Landprediger.... erschienen 1800 in Leipzig im Verlag der Dykischen Buchhandlung

Communionbuch für Gebildete zur würdigen Feyer des Abendmahls Jesu erschienen 1808 in Leipzig bei Hinrichs

Meine Eigenheiten : eine Lectüre für Prediger und die es werden wollen... erschienen 1807 in Leipzig bei Hinrichs

Wie viel es auf sich habe in unsern Zeiten Lehrer der Religion zu seyn... erschienen 1798 in Halle, Leipzig bei Ruff

Ueber die zweckmäßige Anwendung der Universitätsjahre. Ein Handbuch für Academisten und solche, die es werden wollen... erschienen 1804 in Leipzig bei Steinacker

Ueber gute Landschullehrer. Meinen Amtsbrüdern, den Predigern auf dem Lande, zur Prüfung und weitern Empfehlung gewidmet... schienen 1796 in Halle, Leipzig, Merseburg bei Ruff

Reden an gebildetere Jünglinge vor der Feyer des Abendmahls... erschienen 1796 in Leipzig bei Barth

Unterhaltungen mit Personen, welche in den höhern Jahren des Lebens stehen, oder dieselben erreichen dürften... erschienen 1806 in Leipzig bei Steinacker

Unterhaltungen mit gebildeten Frauenzimmern über die wichtigsten Gegenstände ihres Nachdenkens... erschienen 1803 in Leipzig bei Kummer

Abbadon, oder der Charakter-Verderber der städtischen Jugend ... erschienen 1834 in Neustadt bei Wagner

Beleuchtung wichtiger Anforderungen meiner Zeitgenossen an die Lehrer der Religion. Erschienen 1821 in Erfurt bei Müller

Das Buch für Eltern, oder wann dürfen Aeltern hoffen, von ganzem Herzen fromme Kinder zu erziehen? Erschienen 1823 in Neustadt a. d.O bei Wagner...83 Seiten


 

Von dem rechten Gebrauch alter und neuer Geschichtsvorfälle auf der Canzel ...ein Aufsatz ...erschienen in der Zeitung: Neues Magazin für Prediger

Unterhaltungen mit Personen, welche in den höheren Jahren des Lebens stehen oder dieselben erreichen dürften : ein Beytrag zur Belehrung, Beruhigung, Aufheiterung und Glückseligkeit im Greisenalter ; auch zur zweckmäßigen Vorbereitung auf dasselbe … erschienen 1806 in Leipzig bei Steinacker


 

Die nachfolgend wiedergegebene Buchbesprechung ist am 4.1.1801 in der Allgemeinen Literaturzeitung erschienen.

Von  Heydenreich, Friedrich Erdmann August

Pastor, Senior und "Consistorialassessor zu Merseburg

Diakonus an der Domkirche in Merseburg

Über den Character des Landmanns in religiöser  Hinsicht. Ein Beytrag zur Psychologie für alle, welche auf das religiöse Bildungsgeschäft desselben Einfluss haben, — vorzüglich für Landprediger.

Erschienen 1800 in Leipzig im Verlag der Dykischen Buchhandlung

(II. u.) 556 S. gr. 8- (I Rtlilf. 8 gr.)


 

Nach Versicherung des Autors ist dieser Beytrag zur speciellen Pastoraltheologie das Resultat seines Nachdenkens, seiner Erfahrung und Lectüre. In dem ersten Hauptabschnitte bis Seite 250 verbreitet sich der Autor über solche Gegenstände, die mit seinem Thema in näherer oder entfernterer, aber in keiner unmittelbaren Verbindung stehen. Nachdem er zuerst einige Bemerkungen über die Wichtigkeit des Standes der Landleute vorausgeschickt und bewiesen hat, das diese Wichtigkeit des Standes der Landleute mit ihrer jedesmaligen besonderen religiösen Aufklärung in der genauesten Verbindung stehe. So macht er nun auf die Gegenstände und Personen aufmerksam, welche, ausser dem Religionslehrer, von welchem die Aufklärung des Landmanns am meisten abhängt, noch einen bedeutenden Einfluss darauf haben. Er rechnet vorzüglich dahin: das Clima, den allgemeinen Zeitgeist, den Charakter des Regenten, und der demselben untergeordneten Landescollegien, die Consistorien, Kirchenpatrone und Gutsbesitzer, Gerichtsverwalter, Amtsschösser, Amtleute, Schulmeister, die Nähe grosser Städte, die alte Ort- und Landesverfassung, die Einnahme (Aufnahme) fremder Personen in die Gemeinde, abgedankte und beurlaubte.Soldaten, Landstreicher, gangbare Gesänge, Bücher und modische Vergnügungen, die politische und ökonomische Verfassung des Landmanns, die Dorfrichter, Gerichtsschöppen und Bauermeister. Hierauf charakterisiert er im Allgemeinen einen zur Förderung der religiösen Aufklärung des Landmanns fähigen Religionslehrer. Mit Recht fordert er von einem solchen, dass er ein Freund des Landlebens sey, dass er seine Gemeinde Iiebgewonnen habe, dass er über den Landwirth den Religionslehrer nicht vergesse, dass er Drang und Kraft in sich fühle, über die sogenannten Brotstudien hinaus durch möglichst genaue Betrachtung alles Wissenswürdigen seinen Verstand aufzuhellen, dass er überhaupt und vorzüglich in religiöser Hinsicht ein aufgeklärter Mann sey, dass er sich eine genaue Kenntnis des allemal relativen Werths der eingesammelten, auch Reiigionswissenschaften erworben habe, dass er sich bey dem Bildungsgeschäft durch Religion, in Zeiten, Orte, Personen und Umstände zu fügen wisse und dieses aus einem wahren Interesse fördernde Art thue. In der genaueren Angabe der, auch dem Landprediger nöthigen, psychologischen Erkenntnisse wird bemerkt, dass derselbe, als Psychologe, sein Augenmerk auf die Kräfte und Fähigkeiten der menschlichen Seele überhaupt und zwar aus ihrer originellen allgemeinen Beschaffenheit, auf die einzelnen Kräfte und Fähigkeiten derselben insbesondere, auf Willen, Triebe, Neigungen, Leidenschaften und moralisches Gefühl, auf Körper, Temperament, Sinne, Sprache und Physiognomie, auf die Lagen und Umstände, in welchen sich mehrere oder ein gewisses Subject befindet, und endlich auf den Einfluss, welchen der Umgang auf Verstandes- und Herzenscultur hat, zu richten habe. Als vorzügliche Mittel, durch deren rechten Gebrauch sich der Landprediger die nöthigen psychologischen Kenntnisse (die, wie der Autor vorher mit Angabe der gewöhnlichen Ursachen bemerkt, vielen Landpredigern fehlen), überhaupt und in Bezug auf seine Gemeinde insbesondere verschaffen kann, werden folgende angegeben: Man sey gem und oft und beobachtend in der Gesellschaft der Jugend; man höre auf Akademieen und Padagogik (leider ist nur dazu nicht auf allen Universitäten Gelegenheit), und mache die Anwendung davon in Seminarien; man suche als Erzieher in Familien seine Menschenkenntniss zu bereichern; man sey ein genauer Beobachter seiner selbst, man unterrichte sich durch gesellschaftliche Verbindungen mit Personen, welche an Einsichten , Kenntnissen, Ueberzeugungen, Handlungsmaximen , Stand, Alter etc. verschieden sind; man liebe jede Lectüre, insbesondere das Studium der Griechen'und Römer, das pragmatische Studium der Geschichte und der Kirchengeschichte insbesondere, der Reise- und Lebensbeschreibungen, der Schauspiele, Romane, Predigten (warum nicht auch Schriften der theoretischen und praktischen Katechetik?), der Bibel, älterer und neuerer psychologischen Werke. Am Schlusse dieses Hauptabschnittes empfiehlt der Verfasser noch mehrere aus eigener Erfahrung bewährt gefundene Regeln, worin besonders der Umgang mit dem Landmanne usw gehört. Erst im zweyten Hauptabschnitte von Seite 250 an kommt der Verfasser auf den Charakter|der Landleute in religiöser Hinsicht. Nach einigen Vorerinnerungen welche die hierbey nöthigen Worterklärungen geben, stellt er als Hauptmomente, woran ihm bey dieser Untersuchung alles anzukommen scheint, Seite 253 folgende Fragen auf: Wie denkt und handelt der Bauer in Bezug auf die Quellen der Religion, Natur und Offenbarung, wie in Hinsicht auf Religion selbst nach dem theoretischen sowohl, als praktischen Teil, wie, was Religionsübungen und Religionsbräuche anbelangt. Den Resultaten des Verfassers zufolge hat der Landmann eine gewisse natürliche, ihm selbst nicht ganz klare, mehr stumme und dunkle Hochachtung gegen alles, was die Religion angeht. Versteht man unter: Relgion haben, wahre Kenner des Geistes derselben seyn, so haben wenige Landleute Religion; der noch nicht verbildete Landbewohner hat gegen die übrigen Stände gehalten, mehr Fähigkeit für ächtreligiöse Verstandes- und Herzenskultur und doch für diese letztere so wenig Sinn. Der Landmann ist für das Alte, Herkömmliche, Gewöhnliche und Mechanische auch in der Religion; viele stemmen sich, getäuscht durch viele ungemein schädlich werdende Gemeinsprüche, der Aufklärung des Verstandes und der Verbesserung des Herzens entgegen. Je mehr bei religiösen Angelegenheiten die Sinnlichkeit des Landsmannes ihre gehörige Rechnung findet, desto mehr interessiert er sich für jene. Auch zum Aberglauben in Sachen der Religion hat der Bauer einen weit überwiegenderen Hang als zum Unglauben, die Art wie er seinen Körper kultiviert, gibt der Seele desselben eine natürliche, daher auch Sachen der Religion und das ist die mehr männliche. In vielen Fällen liegt das Auffallende, Missfallende, Unsittliche und Irreligiöse mehr in dem unzeckmäßigen seines Handelns, als in der Beschaffenheit seiner Gesinnungen. Ein gwisses behagliches Gefühl von dem besseren Religionskenntnisse zu haben, als andere Dorfbewohner, sittlicher und religiöser leben als sie ist dem Bauer eigen. Doch machen hiervon Hirte, Dienstboten, Arme des Dorfes, Waisen, Fuhrleute und das weibliche Geschlecht eine Ausnahme. Was den Charakter des Landmanns in Ansehung der Quellen der Reliogion betrifft, so fehlt ihm die gehörige Bekanntschaft mit der Beschaffenheit und dem Wert der bloß natürlichen Religion, weil es nicht nur den Landpredigern an Naturkenntnissen und in mehreren Volksschulen an einem recht bündigen Unterricht in der Naturlehre/ Naturkunde fehlt, sondern weil auch noch selten vor ländlichen Gemeinen zweckmäßige Predigten über die Werke Gottes in der Natur gehalten werden. Unbekanntschaft mit der Natur ist wohl nicht allemal die Ursache, die manche Religionslehrer abhält, zweckmäßige Vortäge über gewisse, der religiösen Ansicht fähige Naturgegenstände zu halten, sondern manche lassen sich durch die ängstliche Furcht, von einigen bigotten Vorstehern ihres höchst geistlichen Gerichts für Naturalisten erklärt und eines Verstoßes gegen den Lehrbegriff beschuldigt zu werden, davon abschrecken. Die zweite Quelle der Religion, die Bibel, steht bei dem Landmannebin großer Achtung, die sich aus verschiedenen Ursachen erklären lässt. Im Ganzen ist aber die Bibel für ihn ein verschlossenes Buch. Wenige Bücher werden von ihm so missverstanden und gemissbraucht, als die Bibel. Sie wird zwar von ihm gelesen, aber nicht so oft und aufmerksam, als es gesehehen sollte und könnte. Diese Behauptung kann der Redacteuer nur unter grosser Einschränkung für richtig halten, da ihn seine in dieser Rücksicht gemachte Erfahrungen gelehrt haben, dass das Lesen der Bibel in der Form, in welcher sie gegenärtig vorhanden ist, bey der untern Volksklasse mehr Schaden ab Nutzen gestiftet hat. Die Landleute, welche die Bibel zur Hand nehmen, verstehen es, nach der Behauptung des Verfassers, recht gut, sich selbst einen Auszug aus derselben zu machen: (Dies dürfte wohl eine sehr seltene Erscheinung unter den Landleuten seyn !). Bey Beantwortung der Frage: Worin bestehet der Charakter des Landmanns in Bezug auf die GIaubenslehren? macht der Verfasser zuerst auf das, wie er sich ausdrückt, verhätnissmäßig  herrschende Bildungsgeschäft oder darauf aufmerksam, wie der Unterricht, den der Landbewohner in dieser Hinsicht empfängt, beschaffen ist. (Diese Bemerkungen hätten gleich zu Anfange des zweyten Hauptabschnittes gemacht werden sollen. Denn nicht bloss die Denkart des Landmanns in Anlehung der Glaubenslehren ist grösstentheils Wirkung seiner empfangenen Bildung, sondern fast alle einzelnen Züge seines religiösen Charakters lassen sich daher erklären). Daraus entwickelt sich ein blosser Formular- oder Tabellenglaube, ein todter , aus Menschenwort und Autorität bestehender unstatthafter Kirchenglaube etc. Von Seite 350 an giebt der Verfasser einen, während seiner Amtsführung gefertigten Catalog, in welchem er das Charakteristische der Denkart gemeiner Leute und namentlich der Bauern , in Beziehung auf die einzelnen Glaubenslehren, von Gott, von Gott dem Vater, Sohn und heiligem Geist, der Schöpfung, Vorsehung, den Engeln und allen übrigen Lehrsätzen des kirchlichen Systems aufstellt. Was den praktischen Theil der Religion betrifft: so folgt der Landmann in den mehresten Fällen, dem natürlichen Zuge seines Gefühls für Recht und Unrecht; bey vielen ist die Moral dürftige Moral des Decalogs; die moralischen Maximen. Viele sind einseitig, irrige Folgerungen aus wahren oder falschen , dem eingeführten Lehrbuche, der Bibel und dem Gesangbuche entnommenen Prämissen; die Moral vieler Landleute ist die Moral herrschenden Sprichwörter; die moralischen Maximen sind meistentheils von dem Verhalten anderer Personen abgeleitet. Durch gewisse Fehler des Lehrers bey dem Vortrage der Moral, wird die Mehrheit des grossen Haufens gar sehr verstimmt, Zu den, den Landmann charakterisirenden, Verstößen gegen die Moral rechnet der Autor auf Seite 422: eine bis zur Grausamkeit ausartende Gleichgültigkeit gegen eigenes sowohl, als anderer körperliches Wohlbefinden. (Diess dürfte auch nicht mehr in der Allgemeinheit gelten, wie ehedem da in unserem verzärteten Zeitalter, Weichlichkeit und Luxus auch in die Hütten des Landmanns gedrungen zu seyn scheint). Betrügereien verschiedener Art; mannigfaltige Zungensünden. Andere Vergehungen im gesellschaftlichen Leben, Bauernstolz, Grobheit, dörfische, kleinliche Ausspähungssucht und kindische Klatscherey. Hierauf werden noch gewisse amoralische Eigenbeiten berührt, wodurch sich einzelne Familien der Bauern charakterisieren. Die vorzüglichsten Beweggründe, nach welchen der Bauer denkt und handelt, sind: Erlangung, Behauptung and Vervollkommnung des zeitlichen Vortheils; Furcht vor den Strafen der Obrigkeit und vor Gottes Strafen. Zuletzt schildert der Verfasser noch den Charakter des Landmanns in Ansehung der Religionsausübungen und der damit verknüpften Religionsgebräuche, als: «die Feier des Abendmahls, der Beerdigung, Beichte, Confirmation, Copulation, Einsegnung der Wöchnerinnen und Sterbenden, der Fasten, des Gebets, Gesangs, Kircbengehens, Verlobung, Taufe etc. — "Wer mit der, unter den Landleuten herrschenden Denk- und Handlungsweise nicht ganz unbekannt ist, der wird gewiss dem Autor das Zeugnis geben, dass seine Darstellung im Ganzen treu und treffend sey. Nicht nur mehrere im Vorbeygehen gemachte Bemerkungen , wie Seite 80 über die mit den künftigen Landpredigern anzustellende Prüfungen , sondern auch die, aus einzelnen Zügen jener Charakteristik des Landmanns hergeleiteten und gehörigen Orts eingestreuten Regeln für das Verhalten der Religionslehrer verdienen Beherzigung. Allein, so unleugbar es auch ist, dass Moralität mit manchen ungeläuterten Vorstellungen gewisser theoretischer Sätze bestehen kann, so können wir doch dem Verfasser nicht überall, wo er den Rath erteilt, jene Vorstellungen unberichtigt zulassen, bestreiten. Der Autor fragt z. B. auf Seite 359.: ,,Was gewinnt der Bauer, wenn ihm sein Lehrer zu beweisen sucht, dass die von Moses angegebenen sechs Schöpfungsakte nichts, als Fiction des Malers sind?"— Er gewinnt allerdings. Denn wenn der Religionslehrer sich bemüht hat, unter seinen Gemeindemitgliedern richtige Begriffe über Gott und seine Eigenschaften zu verbreiten, wie dass der Autor selbst mit allem Rechte fodert: so wird der denkende Landmann unmöglich mit diesen geläuterten Begriffen jene Erzählung von einer sechstägigen Schöpfung vereinbar finden. Und was wird die Folge davon seyn? Er wird die Richtigkeit derselben bezweifeln. Wie leicht ist aber nicht der Übergang von einem Bezweifeln solcher an sich gleichgültigen Dinge-, welche er sich aber, weil sie in der Bibel stehen, die man ihn als die vorzügliche Quelle der Religion kennen lehrte, als wesentlich verbunden mit der Religion denkt, zum Bezweifeln der allgemeingültigen Wahrheiten der Sitten und Religionslehre? Will man diess verhüten; so ist es schlechterdings nöthig, dass dem Landmanne nicht nur eine richtigere Ansicht von der Bibel selbst, sondern auch von den  darin vorkommenden Erzählungen. gegeben werde; sey es auch, dass dadurch die übergroße Hochachtung für die Bibel, von welcher sich der Autor zu viel verspricht, vermindert werde! Überdiess täte der Autor auch bey seinen Ratschlägen für das Verhalten des Religionslehrers in Ansehung der unter den Landsleuten herrschenden Meinungen, den Unterschied zwischen den Erwachsenen und der Jugend mehr ins Auge fassen sollen, als er es von ihm geschehen. Die Klugheit gebietet alterdings dem Religionslehrer, manche von den Landleuten eingesogene Vorurtheile, insofern sie ohne Einfluss aus das Praktische sind, und so lange sie dem Landmanne nicht selbst, bey dem in ihm angezündeten Lichte der Vernunft, als verdächtig erscheinen, stehen zu lassen , wie die gröbere Vorstellung von der Eingebung der Schrift. Aber soll man denn bey der Jugend nicht einen Schritt weiter gehen; soll man nicht bey ihr hellere Begriffe erzeugen? — Da der ganze Hauptabschnitt bis Seite 250, ausser den Grenzen des eigentlich abzuhandelnden Gegenstandes pfegt; so hätte derselbe, seines übrigen Werths unbeschadet weit kürzer gefasst werden sollen. Die zur Hauptsache gehörigen Ideen könnten, bey einer zweckmäßigen Anordnung des Ganzen, theils im zweiten Hauptabschnitt gehörigen Orts vertheilt, theils in einer kurzen Einleitung vorausgeschickt werden. Die eingestreuten literarischen Notizen geben zwar einen rühmlichen Beweiss von der Belesenheit des Verfassers allein auch hier könnte etwas mehr Sparsamkeit beobachtet werden. Wenigstens konnten solche Citate von Büchertiteteln und Stellen von Profancribenten wegbleiben, zu deren Erwähnung oft nur eine ganz beylaufige Äußerung Veranlassung gab. Bey der Menge von Citaten konnte es nicht fehlen, dass auch manches Buch genannt wurde, das der Verfasser unmöglich aus eigner Ansicht kennen konnte. In dieser Vermuthung wurde dadurch völlig bestätigt, dass er Seite 318 Canabichs Bibelauszug, Erfurt,1799 als erschienen aufgeführt fand , da doch dieses Buch als der Autor dieses schrieb, noch unter der Presse war. Dagegen ist auch wieder manche empfehlenswerte Schrift übergangen, wie Seite 296 wie Lehmanns Naturlehre des menschlichen Körpers,  Seite 179 ist wohl Stabe statt Stöver ein am Ende aber nicht bemerkter Druckfehler. Der Stil des Verfassers könnte etwas fliessender und polirter seyn. Die häufig vorkommenden Parenthesen, deren eine Seite 530 den Raum einer und einer halben Seite einnimmt, machen den Vortrag oft widerlich. Manche Wortbildungen find wirklich komisch barbarisch, wie Seite.297 ...das nicht genug Sinn dafür haben...Seite 392...des auf dem Herzen frey sein... noch etwas auf demselben habnes. Uebrigens werden angehende Landprediger manches Nützliche aus dieser Schrift lernen können.

Nicolaus Lübich 1380 bis 1431

Bischoff zu Merseburg 1411 bis 1431

 

Da gibt es diese 1760 erschiene siebenseitige Schrift des Carl Wilhelm Schumacher aus Eisenach, Subconrekektor des dortigen Gymnasiums, erschienen als erstes Stück einer Reihe von Drucken zu den Thema „Merkwürdigkeiten berühmter Eisenacher“. Sie handelt von dem ältesten und vornehmsten Eisenacher, der außerhalb seiner Stadt zu Ansehen gelangt ist. Der erste Hinweis gilt den unterschiedlichen Namen, die seinerzeit von verschiedenen Schriftstellern verwendet wurden, die sich mit seinem Wirken auseinandergesetzt haben. Nicolaus Lübeck, Nicola de Lubeca oder a Lubeca meinen zwar dieselbe Person, jedoch ist die Nennung aus Lübeck irreführend, da er tatsächlich aus Eisenach stammt, vermutlich ein Kind wohlhabender Eltern. Seine Abstammung lässt sich nicht eindeutig belegen, jedoch ausgehend von seinem angenommen Geburtsjahr 1380 wird der Name Lübich mehrere Male als Stadtrat genannt. Vermutet wird ein Schulbesuch in der St. Georgenkirche, eine Studium in der Erfurtische Akademie. Er trat dort eine Dekanstelle im Stifte zu St. Maruien an und machte Bekanntschaft mit dem damaligen Land- und Markgrafen Friedrich den Steitbaren und seinem Bruder Wilhelm. Diese ernannten ihn zu ihrem Kanzler und nach dem Tode des Merseburger Bischofs Walter von Köckeritz im Jahre 1411 erfolgte Lübischs Ernennung zu seinem Nachfolger als auch zum Kanzler der kurz zuvor errichteten Akademie in Leipzig. 1412 wurde er als Bischof Pate eines Sohnes des Landgrafen Friedrich. Unter seiner Verwaltung erwarb das Stift Merseburg das Schloss Lauchstädt und mit dem Stadtrat zu Merseburg wurden die Freiheiten und Rechte der Stadt neu verhandelt und bestätigt. 1414 reiste er im Auftrag des Landgrafen Friedrich nach Konstanz. Das dort einberufene Konzil sollte vorrangig das päpstliche Schisma beenden und die Einheit der Kirche wieder herstellen. Drei Päpste waren zwei zu viel und es wurde um eine einvernehmliche Lösung gerungen, es wieder nur mit einem Papst zu versuchen. Neben diesem Hauptanliegen galt es die Lehren des Jan Hus, der in den böhmisch tschechischprechenden Gegenden die Lehren des Evangeliums nicht vatikankonform deutete und unter anderem gegen den Ablasshandel predigte, einer katholisch kirchenrechtlichen Prüfung zu unterziehen, die damit endete, das besagter Jan Hus, da er nicht widerrief, vom Konzil zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde. Auch der Merseburger Bischof Lübisch stimmte den dort getroffenen Ergebnissen zu. Während des von 1414 bis 1418 dauernden Konzils blieb ließ es sich Lübich wie die anderen Anwesenden in Konstanz recht wohl ergehen, da er alle in den Kassen vorrätigen Gelder aus dem Merseburger Stift hatte mitgehen lassen. 1418 kehrte er nach Merseburg zurück, versah sein Amt und es gab wenig zu tadeln, lediglich das Erlassen eines Zolls für Leipziger Bürger kostete das Stift jährlich 2 bis 300 Gulden, was man ihm ungern nachsah. Nach 20-jähriger Bischofstätigkeit verstarb er 1431 und wurde im Dom begraben.

Ludwig ...Baumgarten-Crusius...Geheimer Kirchenrat...Nachruf aus der Allgemeine-Literatur-Zeitung Juli 1843 ...1788/1843...geb. zu Merseburg

Johann Samuel Agner (* 9. Oktober 1701 in Merseburg; † 21. Oktober 1769 in Zeitz) war ein evangelischer Geistlicher und Schriftsteller.

Johann Samuel wurde als Sohn des Merseburger Bürgers und Schneiders Christian Agner geboren und besuchte das Gymnasium in seiner Geburtsstadt. Danach studierte er ab 1721 Theologie an der Universität. Nach dem Wechsel an die Universität legte er dort 1724 die Magisterprüfung erfolgreich ab. 1715 fand er ihn Merseburg eine erste Anstellung als Choralist.

Von 1728 bis 1736 war er in Heuckewalde tätig, danach wechselte er an die Kirche St. Viti in der Vorstadt Altenburg bei Merseburg, wo er bis Januar 1743 als Pfarrer wirkte. Von hier folgte er dem Ruf als Archidiakon an die St. Michaeliskirche in Zeitz. Dieses Amt übte er bis 1750 aus. Seit dem 15. November 1750 bis zu seinem Tod wirkte er als Pfarrer der Gemeinde St. Nicolai in Zeitz.

Neben seiner Pfarrer- und Archidiakontätigkeit war er schriftstellerisch auf geistlichem Gebiet tätig.

Michael Helding: letzter katholischer Bischof in Merseburg

Michael Helding (auch „Sidonius“ genannt; * 1506 in Langenenslingen bei Riedlingen/Sigmaringen; † 30. September 1561 in Wien) war ein katholischer Bischof, Gelehrter, Schriftsteller und Humanist.

Als Sohn eines Müllers von einfacher Herkunft immatrikulierte er sich im Herbst 1525 an der Universität Tübingen. Schon Pfingsten 1527 wurde er zum Baccalaureus und Weihnachten 1528 zum Magister promoviert. Sodann ging er als Lehrer nach Mainz und übernahm dort gegen 1531 das Rektorat der Domschule. Hier kam er eng mit dem Humanismus in Berührung, dem er zeitlebens verbunden blieb. Nach seiner Priesterweihe wirkte er unter Kardinal Albrecht von Brandenburg ab 1533 am Mainzer Dom.

Am 18. Oktober 1537 wurde er dort zum Weihbischof berufen und erhielt am 4. August 1538 die Bischofsweihe. Zudem wurde er zum Titularbischof von Sidon ernannt. 1543 promovierte er zum Doktor der Theologie. 1540/1541 nahm er als katholischer Delegierter am Wormser Religionsgespräch teil, ebenso 1546 am Regensburger Religionsgespräch sowie am Konzil von Trient. Am geharnischten Reichstage zu Augsburg (1547/48) wirkte er als Mitverfasser des Augsburger Interims mit. Dies zog ihm die harsche Polemik des Matthias Flacius und anderer Protestanten zu. Im Dezember 1550 zog er als Nachfolger des protestantischen Georg III. von Anhalt als letzter katholischer Bischof in Bistum Merseburg ein. Beim Augsburger Reichstag 1555 war er ebenso zugegen wie im Herbst 1557 auf dem Wormser Religionsgespräch, wo seine Fragen die lutherischen Theologen gegeneinander in Streit und Zwietracht verwickelten.

1561 wurde er vom Kaiser Ferdinand I. zum Vorsitzenden des Reichshofrates in Wien ernannt. Dort starb er im September des Jahres.

Helding gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Reformkatholizismus seiner Zeit, der mittels Wort und Schrift versuchte, die Einheit des Glaubens zu bewahren und aktiv an der notwendigen Umgestaltung der katholischen Kirche mitzuarbeiten. Er blieb seinem Glauben treu und galt dennoch als reformfreudig und tolerant Andersgläubigen gegenüber.

aus  Wiki 2012



Otto Küstermann

Otto Küstermann
Julius Albert Otto Küstermann (* 18. Februar 1837 in Schladebach; † 20. Februar 1913 in Merseburg) war ein deutscher evangelischer Pfarrer und Historiker.
Küstermann wurde 1837 in Schladebach als Sohn des Ortspfarrers von Schladebach Eduard Albert Küstermann und der Johanna Henriette Agnes Graßdorff geboren. Er besuchte das Domgymnasium in Merseburg, studierte 1856-1859 an der Universität Halle-Wittenberg, absolvierte dort 1860 sein erstes theologisches Examen und nachdem er 1862 sein zweites theologisches Examen absolviert hatte, wurde er nach seiner Ordination in Magdeburg am 30. Juli 1862 Pfarrer in Pödelist, 1867 Pfarrer in Geusa und trat 1902 in den Ruhestand. Er verstarb 1913 in Merseburg, zwei Tage nach seinem 76. Geburtstag.
Küstermann befasste sich intensiv mit der Geschichte seiner heimatlichen Region. Seine „Altgeographischen Streifzüge durch das Hochstift Merseburg", die fundierte geschichtliche Informationen liefern, wurden nur einmal gedruckt. Seine „Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen - Achtes Heft - Der Kreis Merseburg" (1883) ist heute noch ein Standardwerk in den wissenschaftlichen Bibliotheken. Auf dem Altenburger Friedhof wurde im Jahre 2009 auf seiner Grabstätte ihm zu Ehren eine Gedenksäule durch den Merseburger Altstadtverein errichtet.
1902 wurde ihm durch den preußischen König Wilhelm II. der "Rote Adlerorden 4. Klasse" verliehen.
Küstermann war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er am 21. April 1864 in Schladebach mit Auguste Karoline Ida (* 10. Mai 1846, † 14. September 1869), der Tochter des Brauereibesitzers Franz Lange in Schladebach. Seine zweite Ehe ging er am 21. Juli 1871 mit Pauline Juliane Meta (* 27. März 1849, † 24. Juni 1931), der Tochter des Oberpfarrers an der St. Maximikirche in Merseburg Johann Philipp Hermann Heinecken ein. Aus den beiden Ehen stammen 9 Kinder:
S. Fürchtegott Johannes Otto (* 17. Mai 1865 in Pödelist; † 15. Dezember 1932 in Naumburg) Pfarrer in Pödelist
T. Martha Magdalena Maria (* 7. Juli 1868 in Geusa; † 21. Dezember 1932 in Halle)
S. Johannes Gottfried Albert Hermann (* 15. April 1872 in Geusa † 27. Februar 1952 in Zörbig) Arzt in Zörbig
T. Marie Agnes Julie Magaretha (* 18. Juli 1873 in Geusa; 6. Januar 1951 in Lichtentanne/Sachsen) verh. Mit dem Diakon an der St. Nikolaikirche in Eilenburg Carl Heinrich Gustav Gützlaff
T. Magdalena Anna Elisabeth (* 30. März 1875 in Geusa; † 18. Mai 1964 in Dortmund) verh. 16. Dezember 1900 mit Hans Heinrich Georg Deicke in Lüneburg
S. Heinrich Eduard Benjamin (* 13. Juni 1877 in Geusa; † 12. Januar 1945) Ing. in Mönchengladbach
T. Margarete Anna Klara Meta (* 5. Januar 1881 in Geusa; † 12. Dezember 1885 in Geusa)
S. Paul Julius ( 12. Januar 1886 in Geusa; † 12. Dezember 1956 in Mbaya/Tansania in Ostafrika) Major und Farmer in Ostafrika
T. Elisabeth Charlotte Anna (* 15. Juni 1888 in Geusa, † 22. Juli 1972 in Bad Honnef) verh. mit Paul Krusius, Pfarrer in Schelden/Ostpreußen.

Johann Conrad Sittig (1664-1714)

Johann Conrad Sittig wurde 1664 in Worms geboren. Nach der Umsiedlung der Familie 1668 besuchte er das Merseburger Domgymnasium. Im Anschluss daran studierte er in Jena und Leipzig Philosophie und promovierte 1691 in Wittenberg im Fach Theologie. Ab 1701 beerbte er seinen Vater in Merseburg als Hofprediger, Beichtvater, Konsistorialrat und Stiftssuperintendent unter der Herzogin Erdmuth Dorothea zu Sachsen-Merseburg (1661-1720).
Das Bildnis Johann Conrad Sittigs kann keinem Künstler zugeordnet werden. Es zeigt das Brustbild Sittigs mit Perücke und Talar, in einem ovalen Ausschnitt, auf einem Sockel stehend. Im Sockel befindet sich eine Legende: "Johann Conrad Sittig, Der H[eiligen] Schrifft Doctor Hochh[erschaft]l[icher] Sächs[ischer] Merseburgischer Hoff-Prediger Beicht-Vater Consistorial Rath und Adj[utant] Stiffts Superintendent".

 

ADB:Sittig, Johann Conrad

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Band 34 (1892), S. 424. (Quelle)
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Sittig: Johann Konrad S., evangel. Geistlicher, † 1714. S. erblickte das Licht der Welt am 18. September 1664 zu Worms, wo sein Vater Valentin S. als Rector und Pastor adjunctus angestellt war. Nach der im Jahre 1668 erfolgten Uebersiedelung seines Vaters nach Merseburg (er war inzwischen von 1665–68 in Bautzen als Prediger thätig gewesen) erhielt der junge S. seine Vorbildung auf dem Merseburger Gymnasium, begann im siebzehnten Lebensjahre seine Studien in Jena, setzte sie in Leipzig fort und ward hier im Jahr 1684 Magister der Philosophie. Nachdem er sich bei seinem Vater im Predigen geübt hatte, erhielt er 1689 eine Anstellung als Pastor und Superintendent zu Pegau, darauf 1692 in Delitzsch, wo er erst Vicesuperintendent, später wirklicher Superintendent war, auch Hofprediger und Beichtvater der dort residirenden verwittweten Herzogin Christiane von Merseburg wurde. Inzwischen hatte er sein wissenschaftliches Streben dadurch bewiesen, daß er in Wittenberg 1689 (den 5. September) Licentiat und 1691 (am 26. Februar) Doctor der Theologie geworden war. Doch blieb S. zeitlebens im Pfarramt und im Kirchenregiment thätig. Nach neunjähriger Amtsführung siedelte er 1701 nach Merseburg über, zuerst um seinen Vater zu unterstützen, sodann um dessen sämmtliche Aemter als Hofprediger, Beichtvater, Consistorialrath und Stiftssuperintendent zu übernehmen. (Die Installationsurkunde, betreffend seine Berufung in das Consistorium, ist von der sächsischen Herzogin Erdmuth Dorothea zu Merseburg am 18. November 1701 ausgestellt und findet sich gedruckt bei Zeibich [s. u.] S. 238 f.) In diesen Stellungen wirkte S., bis der Tod ihn in seinem fünfzigsten Lebensjahre, 1714, den 20. Februar, abrief. S. war zweimal vermählt und hat eine zahlreiche Nachkommenschaft hinterlassen. Gedruckt erschienen von ihm mehrere Predigt-Sammlungen: „Abschieds-, Gast- und Anzugspredigt.“ Merseburg 1702. Vergl. darüber Zeibich [s. u.] S. 238. „Miscellenpredigten, erster Theil.“ Merseburg 1702. „Miscellenpredigten, zweiter Theil.“ Merseburg 1705. Vgl. darüber Unschuldige Nachrichten IX, 1705. p. 477 sqq. „Jesus der Gekreuzigte.“ Leipzig 1705. (Ein Jahrgang Predigten über alle Sonn- und Festtags-Evangelien.) Vgl. darüber Unschuldige Nachrichten 1705, p. 623 sqq.

Thilo von Trota

Thilo (Tilo, Thile, Tylo), Bischof von Merseburg 1466–1514.

Thilo stammte aus der in Thüringen und den angrenzenden Gebieten begüterten Familie von Trotha (Trothe), die auch zu den Lehnsleuten des Stiftes Merseburg gehörte. Sie führte bereits früher als Wappen den Raben mit dem Ringe im Schnabel. Dadurch werden die sagenhaften Erzählungen über die Aufnahme dieses Wappens durch den Bischof hinfällig. Daß er es aber liebte, ergiebt sich daraus, daß er es mehrfach an den von ihm errichteten Bauten anbringen ließ. Er war der Sohn des gleichnamigen erzbischöflich magdeburgischen Marschalls und Rathes, erlangte die Würde eines Dompropstes zu Magdeburg und Domherrn zu Merseburg, wurde 1466 zum Bischofe von Merseburg gewählt und vom Erzbischof Johann von Magdeburg in sein Amt eingeführt. Zunächst legte er auf Anordnung des Kaisers seinen Lehnseid in die Hand des Kurfürsten Ernst von Sachsen ab; 1495 wurde er vom Kaiser Maximilian belehnt. Zu seinen sächsischen Landesherren stand er in einem vertrauten Verhältniß. Sie waren seine Lehnsleute. Am 12. December 1471 bekannten Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht das Schloß Ostrau, die Städte Leipzig, Naunhof und Grimma, sowie die Gerichtsstühle zu Rötha und auf dem Graben bei Leipzig von dem Bischofe und Stifte zu Merseburg zu Lehen empfangen zu haben. Dafür übernahmen sie den Schutz des Gebietes und seiner Rechte und zeichneten ihn persönlich aus. 1478 übertrug man ihm das Geleit der Herzogin Christina, der Tochter des Kurfürsten Ernst und Braut des späteren Königs Johann von Dänemark, an den Hof von Kopenhagen. 1487 führte er während der Theilnahme Herzog Albrecht’s an dem Reichskriege gegen Matthias Corvinus von Ungarn die Statthalterschaft mit dem Bischofe Johann von Meißen und Bruno Edlem zu Querfurt. Bei wichtigen Verhandlungen erwies sich der Bischof dafür dankbar und nützlich. Als die Wettiner Brüder bei der Curie um Verleihung des Präsentationsrechtes zu der Propstei, dem Decanat und den Archidiakonaten des Bisthums Meißen nachgesucht hatten, beauftragte Papst Sixtus IV. Th. mit der Anstellung der Erörterungen. Auf der Burg Giebichenstein leitete dieser im November 1476 die Verhandlungen, bei denen die Uebertragung des Patronates auf die Fürsten als der Ruhe und dem Frieden förderlich bezeichnet wurde. Als später das Gesuch sich auf weitere Stellen des Meißner Bisthums richtete, übernahm der Merseburger Bischof wieder die Untersuchung der vorhandenen Rechte. Auch weltliche Streitigkeiten half er schlichten, z. B. im Frühjahr 1488 einen Streit zwischen Herzog Albrecht und Hugold von Schleinitz wegen des Schlosses Rochsburg und drei Monate später zwischen demselben Fürsten und Heinrich Graf von Stolberg wegen[WS 1] der Gerichte des Amtes Sangerhausen und Röblingen. Den landesherrlichen Schutz erbat er sich während der Abwesenheit des Herzogs Albrecht von Herzog Georg, als der Kaiser ihn aufgefordert hatte, zu einem Kriegszuge zu Fuß und Roß, auch in eigener Person, zu erscheinen. Er unterstützte sein Gesuch durch den Hinweis auf die mißliche Lage in Friesland, die einen Nachschub sächsischer Truppen nöthig erscheinen lasse. Herzog Georg entsprach der Bitte durch erfolgreiche Verwendung beim Kaiser. Als aber der Bischof später auch von dem Kurfürsten Friedrich und dem Herzog Johann Schutz suchte und sich auf einem Tage zu Erfurt 1505 zu Leistungen diesen gegenüber verpflichtete, mußte er sich in mehrfachen Schreiben an den Herzog Georg mit Berufung auf die auch jenen zukommende Schutzpflicht verantworten. [35] Die Regierung Thilo’s fiel in eine Zeit, in der ein lebhafter wirthschaftlicher Aufschwung auch die Einnahmen des Stiftes vermehrte, um so mehr als fruchtbare Landgebiete und capitalkräftige Städte dazu gehörten. 1496 fiel dem Stifte das erledigte Lehen Schafstedt zu, im Jahre darauf Carsdorf und Bunstorff, das Th. an Herzog Albrecht gegen Ostrau und Lennewitz austauschte. Neue Gründungen von geistlichen Stellen und sonstige zahlreiche Stiftungen erhöhten das Einkommen des Bischofs, dessen Ueberschüsse er nutzbar in Landbesitz oder zinstragenden Capitalien anlegte. 1488 kaufte er z. B. von den Gebrüdern Peter, Lorenz und Otto von Werder Gut und Dorf Zscherben mit Zinsen zu Reipizsch und ging dabei gegenüber deren Lehnsherrn, dem Abt Heinrich v. Goßke, besondere Verbindlichkeiten ein. 1506 lieh er dem Leipziger Rathe 12 000 rheinische Gulden. Er veranlaßte auch neue wirthschaftliche Unternehmungen, z. B. schuf er 1482 auf der erkauften wüsten Stätte Boritz die Schladebacher Teichanlagen, die ihn in rechtliche Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarn, z. B. Hans und Ciliax Walkhusen zu Euschütz verwickelten. 1484 vergrößerte er den Gotthardteich, dessen Durchbruch 1504 große Verheerungen anrichtete. Das Bestreben der Zeit sich bequem und prächtig einzurichten, fand in Th. einen eifrigen Vertreter. Eine außergewöhnlich reiche Bauthätigkeit hat er während seiner langen Amtsführung entfaltet. Nachdem er das bischöfliche Schloß hatte umbauen lassen, wendete er seine Aufmerksamkeit der Domkirche zu, die aber erst unter seinen Nachfolgern vollendet wurde. Auch für die Verschönerung der Stadt war er eifrig besorgt, namentlich nachdem der verheerende Brand von 1479 einen großen Theil der Stadt in Asche gelegt hatte. Das Königs- und Sixtithor wurde von ihm neugebaut.
Ueber seine kirchliche Wirksamkeit haben wir zahlreiche Zeugnisse. 1485 weihte er am Sonnabend vor Ostern zu Giebichenstein den zum Erzbischof von Magdeburg gewählten Herzog Ernst von Sachsen zum Priester, am 22. November 1489 wies er ihn unter Assistenz der Bischöfe von Havelberg und Naumburg in Gegenwart der erzstiftischen Stände in sein Amt ein. Die Ordination der Geistlichen war seine Aufgabe; auch die Einweihung der Kirchen vollzog er, z. B. 1496 der erneuerten Thomaskirche in Leipzig. Von großer Bedeutung war die Ausübung der Gerichtsbarkeit. Die weltliche war zum großen Theile den fürstlichen und städtischen Behörden überlassen. Dagegen wurde die kirchliche von ihm selbst oder den beauftragten Beamten geübt. 1468 unterhandelte er mit dem Erzbischof Johann von Magdeburg wegen des von der Curie geforderten Zehntens der Geistlichkeit. Mehrfach beschäftigte ihn z. B. die rechtliche Stellung der Propstei Penig. 1478 hob er sie auf Bitten des Chemnitzer Abtes Kaspar auf und bestimmte, daß hinfort Weltpriester daselbst eingesetzt werden sollten. Aber 1500 und 1504 lebte die Angelegenheit wieder auf. Auch hatte er die Aufsicht über das Vermögen der Kirchen seines Sprengels zu führen, z. B. Stiftungen, Vererbungen und Verkäufe zu genehmigen. Das Leipziger und Grimmaer Urkundenbuch bieten zahlreiche Beispiele. Der Sitte der Zeit gemäß hatte er kirchliche Werke durch Ertheilung von Ablaß zu unterstützen. 40 Tage gewährte er z. B. 1467 der Frauenkirche in Grimma, 1468 für den infolge der Pest kurz vorher eingeführten Gesang O adoranda Trinitas in den Leipziger Pfarrkirchen, 1498 einem neugestifteten Salve regina in der Nicolaikirche in Grimma; ebensoviel fügte er 1502 hinzu, als der Cardinal Raimund v. Gurk 100 Tage Ablaß für alle diejenigen bewilligt hatte, die zum Zwecke der Heiligsprechung Benno’s von Meißen Opfer spenden würden. Ein Jahrzehnt später machte er in seinem Sprengel die Bulle des Papstes Julius II. bekannt, nach welcher die von Papst Innocenz VIII. behufs Unterstützung eines Thurmbaues in Freiberg verliehenen Ablässe nach Ablauf der früher bezeichneten Frist noch [36] auf weitere 20 Jahre verlängert wurden. Neben der regelmäßigen Visitation der kirchlichen Anstalten wurden Bischof Th. von der Curie besondere Vollmachten zu theil. Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht waren bei dieser vorstellig geworden, daß in ihrem Gebiete mehrere Klöster beiderlei Geschlechts und andere geistliche Anstalten durch schlechte Wirthschaft und übeln Lebenswandel ihrer Vorstände und Mitglieder in ihrem Ansehen, auch durch kostspielige Processe in ihrem Einkommen so geschädigt worden seien, daß sie dringend einer Reform bedürften. Deshalb ertheilte Papst Innocenz VIII. am 12. März 1484 Th. neben dem Bischofe von Meißen die Vollmacht, unter Zuziehung tüchtiger geistlicher Personen alle exemten und nicht exemten Klöster seines Sprengels mit alleiniger Ausnahme der Ritter- und Bettelorden zu visitiren und, wenn nöthig, an Haupt und Gliedern zu reformiren, Personen anstößigen Lebenswandels zu entfernen und durch geeignete andere zu ersetzen, die Klöster, die nur wenige Insassen hätten, zusammenzulegen, Besitzungen und Grundstücke behufs höheren Ertrags zu verkaufen, in zeitlichen oder bleibenden Erbpacht auszuthun. Unter Thilo’s Regierung gründeten die Brüder vom gemeinsamen Leben im J. 1503 eine Niederlassung in Merseburg. Er überließ ihnen die Gotthardcapelle mit einem Hause, verbot ihnen das Betteln und die Beeinträchtigung der Rechte der Pfarrgeistlichkeit.
Seit der Gründung der Universität Leipzig war dem jedesmaligen Bischofe von Merseburg eine neue Würde zugefallen, die eines Kanzlers und päpstlichen Conservators. Diesem stand die Gerichtsbarkeit über Professoren und Studenten zu, die wol zu den Verhandlungen in Merseburg erscheinen mußten. So erließ auch Th. mehrfach Vorladungen, z. B. infolge einer Schlägerei Leipziger Studenten mit Bauern in Lindenau. Die Umständlichkeit dieses Gerichtsverfahrens, die damit zusammenhängenden Kosten und Schwierigkeiten waren jedenfalls die Veranlassung, daß im J. 1496 unter Zustimmung des Herzogs Georg die Gerichtsbarkeit dem jeweiligen Rector der Universität übertragen wurde. Auch bei der gleichzeitigen Reform derselben war der Bischof mehrfach betheiligt. Ebenso stand er bisweilen mit der philosophischen Facultät in Verhandlung und empfahl ihr mehrfach junge Gelehrte zur Aufnahme, ohne immer Gehör zu finden. Daß er in der Zeit des fehdelustigen Ritterthums mit Waffengewalt überfallen wurde, darf uns nicht Wunder nehmen. Einer seiner Vasallen, Wilhelm Rider, belästigte ihn mehrfach und fügte dem Stifte großen Schaden zu. Auch die Grafen von Mansfeld hatten mit ihm Streit. Ungerechte Behandlung seines Dompropstes Johannes Naustadt und seines Dieners wurde ihm vorgeworfen. Der Chronist entschuldigt ihn so: Quod aliquando quicquam commiserit, quod culpandum fuit, homo fuit, et ut homo errare potuit. Im übrigen rühmt er des Bischofs Tüchtigkeit, seine Gewissenhaftigkeit in geistlichen Dingen, seine Gewandtheit in weltlichen Geschäften. Wenn dieser bereits früher sich in seinen Amtshandlungen durch Secretäre, Vicare, Officiale und Weihbischöfe vertreten ließ, so ernannte er 1507 den Magdeburger Dompropst, Fürst Adolph von Anhalt, zu seinem Coadjutor. Er starb 1514. Sein Grabmal befindet sich noch jetzt in der Domkirche.

ADB...Algemeine Deutsche Biographie