Die neuen Postmarken betreffend (Nr.7)
Mit Bezug auf die wiederholt veröffentlichten früheren Bekanntmachungen macht das Generalspostamt bei den bisher vorliegenden Erfahrungen nochmals darauf aufmerksam, dass die Ende 1871 außer Geltung gekommenen Norddeutschen Freimarken, Francokuvert und gestempelten Streifenbänderder nur bis einschließlich 15. Februar dieses Jahres  von den Deutschen Reichspostanstalten gegen neue Postwertzeichen umgetauscht werden. Vom 16. Februar dieses Jahres ab werden die früheren Norddeutschen Freimarken zum Umtausch nicht mehr angenommen und verlieren ihren Wert.
Berlin, den 15. Januar 1872
Kaiserliches Generalspostamt

Beschwerden über die Post betreffend (Nr.11)
Statistische Ermittlungen, welche das Generalspostamt über die Beschwerden hat aufstellen lassen, ergeben, dass ein nicht geringer Teil derselben sich auf mangelhafte Adressierung der Briefe  zurückführt. Im Jahr 1871 haben allein von Berlin Tag für Tag zwischen 300 und 400 Briefe (im Durchschnitt 357) nachdem Aufgabeort zurück gesendet werden müssen, die Mehrzahl wegen ungenauer Adressen. Wenn auch die Zahl der in Berlin eingehenden Briefpostsendungen täglich 77.000 im Durchschnitt beträgt, so ist immerhin jene Zahl von Retourbriefen (ein halbes Prozent) recht erheblich zu nennen und jedenfalls lässt sie sich sehr verringern, sofern die Auftraggeber die Adressen recht genau, vollständig mit deutlichen Schriftzügen und wenn irgend möglich unter Angabe der Wohnung anfertigen möchten.
Berlin, den 28. Januar 1872
Kaiserliches Generalspostamt

Briefverkehr nach Russland wieder (Nr.12)
Bei Briefen nach Russland ist es zur Sicherung der richtigen Spedition von Wichtigkeit, dass wenn auf denselben der Bestimmungsort in russischer Sprache ausgedruckt wird, die betreffende Angabe außerdem in deutscher, französischer oder englischer Schreibweise erfolge, weil die russischen Schriftzüge den Postanstalten nicht überall hinlänglich bekannt sind. Auch muss bei Briefen nach weniger bekannten Orten Russlands die Lage des Bestimmungsortes durch zusätzliche Angabe des Gouvernements außer Zweifel gestellt werden.
Berlin, im 2. Februar 1872
Kaiserliches Generalspostamt

Postversendung von Privatpacketen an die in Elsass-Lothringen stationierten Truppen
Da nach dem Gesetz vom 1. März 1872 die Postvergünstigungen, welche im Reichspostgebiet bezüglich der an alle Soldaten bis zum Feldwebel einschließlich aufwärts gerichteten Pakete ohne Wertangabe bestehen, vom 1. April ab auch durch die in Elsass-Lothringen stationierten Truppen Anwendung finden, so wird der für diese Truppen bis jetzt noch einbehaltene besondere Beförderungsdienst für Feldpostpakete von dem genannten Termine ab entbehrlich. Demzufolge werden vom 1. April ab Privatpakete unter den für Feldpostsendungen festgesetzten Bedingungen nur noch insoweit zur Beförderung angenommen, als dieselben an solche Truppen, Militär und Zivilbeamte gerichtet sind, welche zur deutschen Okkupation Armee in Frankreich gehören.
Berlin, den 19. März 1872
Kaiserliches Generalspostamt

Verkauf von Postwertzeichen und Korrespondenzkarten durch die in den Zügen befindlichen Postbüros (Nr. 25)
alle in den Zügen befindlichen Postbüros werden vom 1. April an einem Vorort von Freimarken, Franco Kuverts und Korrespondenzkarten mit sich führen, um solche, im Falle eines Verlangens, die im Eisenbahnzuge oder auf dem Bahnhof befindlichen Reisenden abzulassen. Der Verkauf findet unter den gewöhnlichen Bedingungen, die bei jeder stabilen Post entstellt. Die Käufer wollen die zu entrichtenden Beträge womöglich abgezählt bereithalten, dabei der Kürze der alte Zeiten und den besonderen Verhältnissen in den ambulanten Postbüros Wechsel vom Geld meistens nicht tunlich ist.
Berlin, den 16. März 1872
Kaiserliches Generalspostamt

Bekanntmachung, die Postkarten betreffend (Nr. 48)
Nach der Verordnung des Herrn Reichskanzlers vom 1. Mai beträgt das Porto für Postkarten (Korrespondenzkarten) vom 1. Juli des Jahres ab einen halben Groschen bzw. zwei Kreuzer. Vom gleichen Zeitpunkt ab soll gestattet sein, dass außerdem, bei den Postanstalten zu beziehenden Formularen zu Postkarten auch solche verwendet werden dürfen, welche das Publikum, je nach seinem Bedürfnisse, auf eigene Kosten sicherstellen lässt oder bei Papier- oder Kuvertfabrikanten entnimmt. Von den Postanstalten werden die Postkartenformulare zu den bisherigen Bedingungen abgegeben, mithin die mit der Halbgroschenmarke geklebten gegen Entrichtung des Markenwertes, die nicht benötigten Formulare dagegen zum Preise von ¼ Groschen oder ein Kreuzer für je fünf Stück. Das neue Formular ist 8 cm hoch und 14 cm breit. Es besteht aus stärkerem Papier als das bisherige. Postkartenformulare, welche das Publikum sich selbst herstellen lässt, oder welche von Fabrikanten zum Verkauf gestellt werden, müssen in Größe, Formatsstärke und Steifheit den von der Post gelieferten gleichen. Über kleine Abweichungen in Größe und Format wird von den  Postanstalten hinweggesehen werden. Doch kann diesbezüglich der Stärke und der Festigkeit des Papierstoffes nicht geschehen. Die Farbe bleibt der Wahl überlassen. Ebenso die Angabe des Namens und der Firma des Absenders, einer entsprechenden Vignette, mittels Vordruck usw., gleichviel ob auf der Vorder- oder Rückseite. Dagegen ist die gedruckte oder geschriebene Überschrift "Postkarte" auf der Vorderseite notwendig. Die Rückseite ist für die schriftlichen oder gedruckten Korrespondenzmitteilung in bisherige Art bestimmt. Auf die Vorderseite darf lediglich die Adresse geschrieben werden, der Bestimmungsort unten rechts. Die Marke ist oben rechts aufzugeben. Denjenigen Fabrikanten, welche Postkartenformulare zum Verkauf an das Publikum herzustellen beabsichtigen, wird, wenn sie sich im frankierten Schreiben an das Generalspost wenden, schon jetzt eine Probe des amtlichen Formulars gratis geliefert werden. Postkarten mit Rückantwort kosten vom 1. Juli ab ein Silbergroschen bzw. vier Kreuzer. Unbeklebte Formulare derselben einen halben Groschen bzw. zwei Kreuzer für je fünf Stück.
Berlin, den 29. Mai 1872
Kaiserliches Generalspostamt

Geld aus einem Brief entwendet (Nr.64)
Vor kurzem erhielt ein Fabrikherr in Schöneberg einen Geldbrief mit ca. 250 Talern deklariert, den derselbe durch seinen Boten von der Post abholen ließ. Bei dem Öffnen des Kuverts fand sich, dass 15 Taler fehlten, deren Gewicht durch ein Stück Zeitungspapier ersetzt war. Bei genauer Besichtigung des Kuverts ergab sich, dass diese papierene Hülle an der einen Seite sorgfältig aufgeschnitten und höchst sauber verklebt war, als auf diese Weise der Diebstahl ermöglicht sein muss. Es bringt dieser Fall einen eklatanten Beweis, wie sehr geraten es ist, couvertierte Geldsendung in Gegenwart der Postbeamten nachzusehen, widrigenfalls die Post keine Garantie leistet.


Unterschlagung in Querfurt (5. November 1872)
Der Postsekretär Anton Rudolf Apell aus Querfurt war wegen Unterschlagung amtlich anvertrauter Gelder, verbunden mit unrichtiger Buchführung, angeklagt. Der Angeklagte, seit 1867 in Querfurt angestellt, war namentlich in dem letzten Jahr mit der Verwaltung der Postannahme und Ausgabekasse betraut. Bei einer am 28. Februar statt gehabten außerordentlichen Revision stellten sich bei dieser Kasse Unstimmigkeiten heraus, dass Apell wiederholt Gelder aus der Postkasse entnommen und in seinem Nutzen verwendet hatte, wobei er zur Verdeckung seiner Handlungsweise unrichtiger Eintragungen in die Kontrollbücher gemacht. Bei dem Geständnisse des Angeklagten handelt es sich hauptsächlich um die Frage, ob dem Angeklagten mildernde Umstände zuzurechnen, oder nicht, da hiervon die Mitwirkung der Geschworenen abhängig war. Die Staatsanwaltschaft enthielt sich in dieser Beziehung eines direkten Antrages, stellte vielmehr, indem sie das Für und Wider ausführlich beleuchtete, die Beantwortung der Frage ganz dem Ermessen der Geschworenen anheim. Die Verteidigung findet in dem bisherigen makellosen Rufe des Angeklagten, den ihm vielfach betroffenen Hauskreuz, seiner drückenden Schuldenlast, die mäßigen Einkommen und den überaus hohen Preise sämtlicher Lebensmittel Milderungsgründe. Die Geschworenen sprachen das Schuldig über den Angeklagten aus zwar unter der Annahme mildernder Umstände, worauf sie Appell zu einem halben Jahr Gefängnis und Verlust der Ehrenrechte auf zwei Jahre verurteilt wurde.