Polizeiberichte

Unglück am Gotthardtsteich (Nr.1)

Am Neujahrstage brach der Sohn des Sattlermeisters Zahn auf dem Gotthardtsteiche ein. Er betrat die von den Eishauern bloßgelegte, über Nacht erst wieder zugefrorene Fläche und versank. Mit Mühe und eigener Lebensgefahr ist seine Rettung erfolgt. Erstarrt fand er gute Pflege bei dem am Teiche wohnhaften Maurer Liebing.

Baumfrevel in der Bahnhofstraße (Nr.3)

Durch ruchlose Hand in der vergangenen Nacht 7 Stück der so schön angewachsenen jungen Kastanienbäume in der Bahnhofstraße an der Wurzel abgebrochen worden. Wir sichern eine Belohnung von 20 Talern demjenigen zu, welcher den Täter so ermittelt, dass er zur Bestrafung gezogen werden kann. Im Übrigen richten wir an den Gemeinsinn des Publikums die dringende Bitte, die Anlagen, welche unserer Stadt einen so freundlichen Anstrich geben, nach Möglichkeit mit in Schutz zu nehmen….der Magistrat der Stadt Merseburg

In der Nacht vom Sonntag zum Montag sind in der Bahnhofstraße und zwar an der Seite der katholischen Kirche auf schändliche Weise 7 junge Kastanienbäume umgebrochen worden. Es gehört ein großes Maß an Rohheit dazu, sich an mühsam angelegten städtischen Anpflanzungen, die eine Zierde der Straße werden sollen, auf so frevelhafte Art zu vergreifen. Leider gelingt es zu selten, dergleichen Frevler zu ermitteln.

Schlägerei in der Funkenburg (Nr.3)

In der Funkenburg entstand Sonntags Nacht eine Schlägerei. Veranlassung dazu gab ein anscheinend den gebildeten Ständen angehöriger, aber jedenfalls in sehr animierter Stimmung befindlicher junger Beamter, der ohne Grund nur Streit suchend, das sich amüsierende Publikum handgreiflich insultiert hatte.

Schlägerei in der Oberbreitestraße (Nr.5)

Am 12. Nacht wurden die Bewohner der Oberbreitestraße durch mehrmaligen Hilferuf aus dem Schlafe geschreckt. Es ergab sich, dass 3 Soldaten und ein Zivilist, die in der nächstgelegenen Restauration schon in Wortstreit geraten waren, auf offener Straße sich prügelten. Dem Zivilisten waren bei der Rauferei die goldene Uhr sowie ein Stiefel abhanden gekommen.

Schlägerei auf der Wallendorfer Straße(Nr.5)

Am Sonntag Abend überfielen 6 auf dem Neumarkt wohnhafte Arbeiter den Ziegelbrenner k. aus Merseburg, der einen um Hospitalgarten durch Obige bedrohten jungen Mann aus Trebnitz in Schutz genommen und auf dem Heimweg begleitet hatte, auf der Wallendorfer Straße und brachten denselben verschiedene Verletzungen am Kopfe bei.

Versuchter Diebstahl (Nr.8)

Am23. Abends wurde eine Frau, die ihren Weggang aus einem herrschaftlichen Hause, in welchem sie früher beschäftigt gewesen, durch Öffnen und Wiederzuschlagen der Haustür recht bemerkbar gemacht, das Haus aber nicht verlassen, sondern auf den Stümpfen sich nach den oberen Räumen sich geschlichen hatte, in einer Kammer versteckt, erwischt. Sie hatte einen Tragkorb, der ihre Schuhe barg bei sich und war außer Stande, den sehr erschrockenen weiblichen Findern über den Zweck ihres Versteckspielens Auskunft zu erteilen. Der Verräter war hier das schattenwerfende Gaslicht gewesen.

Diebstahl am Markt und Warnung vor Bettlern (Nr.8)

Aus einem Hause am Markt wurde am 24. Januar  Nachmittags aus der eine Treppe hoch gelegenen Kinderstube eine goldene Uhr entwendet. Erst Abends, als sie in Gebrauch genommen werden sollte, wurde der Diebstahl festgestellt und fiel der Verdacht auf einen im Hause betteln gewesenen, angeblichen Handwerksburschen. Die Bemühungen, den Bettler noch ausfindig zu machen, blieben erfolglos. Er hatte nach diesem Raube die Stadt sicher schleunigst verlassen. Es kann mit Rücksicht auf die vielen, jetzt arbeitsscheuen und nur vom Betteln lebenden, passlos umherschweifenden Individuen nicht genug zur Vorsicht geraten und namentlich der Verschluss nicht bewohnter Räume anempfohlen werden. Leider ist Verfolgung solcher Strolche, die eben nur die Stadt passieren und abklopfen durch die Passfreiheit rein illusorisch, da in vielen Fällen der Verdächtige nicht einmal genau beschrieben werden kann.

Eine zehnjährige Diebin (Nr.16)

Am 17. Februar ^wurde in einem Kaufladen in der Schmalgasse ein 10jähriges Mädchen bei Ausübung eines Taschendiebstahls ertappt. Die aus der Kleidertasche einer Bauersfrau mit Geschick escamotierten 7 Silbergroschen und 9 Pfennige hatte die kleine Diebin noch in der Hand. Diese jugendliche Sünderin hat sich übrigens schon vielfach auf diesem Felde erprobt und es ist zum Beispiel dieselbe, welche am letzten Kinderfeste einer Dame im Gedränge ein Portemonaie entwendete.

In die Jauchegrube gefallen (Nr.16)

Ein Fabrikmädchen, das sich noch nicht aufgeklärter Weise am 17. Februar Abends in dem Hofe eines hiesigen Hotels zu schaffen gemacht und jedenfalls verscheucht, und mit den Lokalitäten nicht vertraut, im dunkeln eine Tür geöffnet hatte, um sich zurückzuziehen, war unglücklicher Weise in die zur Abortgrube führende Tür geraten und in die Grube gestürzt. Es lief Gefahr, darin den Erstickungstod zu erleiden, wenn nicht zufälliger Weise ein im oberen Stock wohnender Fremder das Gewimmer der bis an den Hals im Kot liegenden Person gehört und durch alarmieren des Hauses das noch rechtzeitige Herausziehen des Mädchens veranlasst hätte. Dasselbe wurde durch Wasserduschen, soweit als möglich gereinigt und von den Mitleid fühlenden Bewohnern des Hauses mit einer vollständigen Garderobe versehen nach Hause geschickt.

Diebstahl in Löpitz (Nr. 20)
In Löpitz wurden in der Nacht vom 28. Zum 29. Februar eine Ziege und ein einjähriges Lamm gestohlen. Die Ziege wurde abgeschlachtet ganz in der Nähe von Löpitz in einem Heuschober – das Lamm ebenso abgeschlachtet und als Braten in der Pfanne eines hiesigen Fleischdiebes gefunden. Am Orte der Tat hatten die Diebe zwei Knüppel, ein Küchenmesser, eine Schnupftabakdose und die nie fehlende Schnapsflasche zurückgelassen.
Randalierer in Altenburg (Nr. 20)
Nachdem der als Unfugtreiber bekannte Handarbeiter L. betrunken in ein Altenburger Schenklokal gekommen, unsittliche Lieder gesungen, die Gäste insultiert, fremde Biere getrunken, das Lokal verunreinigt hatte und schließlich an die Luft gesetzt worden war, schlug er noch von außen dem Wirt die Fenster ein. Wäre für solch rüde Sorte nicht Prügel das Beste?
Mädchen am Schießhaus fast ertrunken (Nr. 20)
Ein kleines Mädchen fiel am 5. März in dem vor dem Schießhause befindlichen Graben. Der auf der Chaussee beschäftigte Arbeiter Blanke fischte das Kind rechtzeitig wieder heraus.
Verwendung alter Ellen(Nr. 20)
Verkäufer und Käufer wollen sich immer noch nicht an das neue Maß gewöhnen. Die Polizei konfiszierte am Jahrmarktmontage eine große Partie alte Ellen.
Diebstahl in Schkopau (Nr. 21)
Aus dem Waschhause des Pfarrgehöfts zu Schkopau ist vor einigen Tagen ein kupferner Waschkessel von 35 Zentimeter Tiefe entwendet worden. Indem wir vor Ankauf des Kessels warnen, ersuchen wir, Wahrnehmungen und Verdachtsgründe, zur Widererlangung des gestohlenen oder Ergreifung des Diebes führen können, mitzuteilen.
Hochstapelei (Nr. 37)
Ein bei der hiesigen Landarmen-Direktion erst seit einigen Tagen als Schreiber beschäftigter junger Mensch versuchte auf dem Felde der Hochstapelei und mit gefälschten, den Namen des hiesigen Geistlichen tragenden Papieren, namentlich adelige Damen durch Vorzeigen dieser Empfehlung zu dupieren und zu einträglicher Mildtätigkeit zu veranlassen. Um seines Erfolges gewiss zu sein, hatte derselbe in einer besonders aufgestellten Liste namenhafte, anscheinend bereits erhaltene Summen selbst eingetragen. Leider ist es in diesem Geschäft sicher routinierten Schwindler in einem Falle gelungen, eine ansehnliche Unterstützung zu erlangen. Bei seiner Habhaftwerdung versuchte seine angebliche Frau, die voll frommer Sprüche strotzenden Bettelbriefe bei Seite zu schaffen. Beide sind in Folge dieses unterbrochenen Debüts flüchtig geworden.
Selbstmord in der Saale (Nr. 37)
Am Sonnabend Mittag stürzte sich ein anscheinend junger anständig gekleideter Mensch in der Nähe von Steckners Berg in die Saale. Am Ufer hatte er seinen mit K. gezeichneten Stock zurück gelassen. Ein hiesiger Einwohner ist bis jetzt noch nicht vermisste worden. 
Storche auf dem Sixtiturm (Nr. 37)
Auf dem Sixtiturm haben sich zwei Baumeister in Gestalt eines Storchenpaares wieder eingestellt. Interessant ist die Tätigkeit zu beobachten, mit der diese Sixtiturmbewohner Massen von altem Strauchwerk, Stroh, Dünger und so weiter zusammentragen, um es sich so wohnlich wie möglich zu machen. Bei Tagesanbruch sieht man das Pärchen auf dem Kinderplatz stolzieren und dem Regenwürmerfange obliegen.
Leiche in der Saale angeschwemmt (Nr. 38)
Am Durchstich unterhalb Steckners Berg ist am Mittwoch Nachmittag ein ertrunkener junger Mensch angeschwommen. Derselbe war anständig gekleidet und trug um die Hüften einen Strick, an welchem er jedenfalls vor dem Hereinspringen in das Wasser einen Stein befestigt gehabt hat. Außerdem hat sich das Gesicht mit einem Taschentuch vollständig verhüllt.
Kind fällt in den Marktbrunnen (Nr. 38)
Am Mittwoch Abend fiel der Sohn eines hiesigen Klempnermeisters in den Marktbrunnen. Der Knabe war auf den Brunnen geklettert und der Bretterbeschlag auf demselben zusammengebrochen. Mittels einer Waschleine, die der Sohn des Leinwandhändlers Zentgraf dem Hilfe schreienden Knaben herabließ, wurde der sonst unbeschädigt gebliebene Wasserspringer zu Tage gefördert.
Jugendbanden in Merseburg (Nr. 38)
Gewiss wird man sich noch jenes Dramas erinnern, welches vor mehreren Wochen in unserer Nachbarstadt Halle von einigen Repräsentanten der Rohheit und Entsittlichung in Szene gesetzt wurde. Wir wollen es vermeiden, die Ursachen zu erörtern, aus denen dieser in neuer Zeit vielfach auftretende Vandalismus entspringt. Es ist hierüber schon genug geschrieben worden und gewiss allseitig bekannt. Tatsache ist es, das auch in unserer Stadt in ihrer Bevölkerung auch Elemente birgt, die, obgleich noch nicht auf die Höhe der Ausbildung der Eingangs erwähnten Halleschen Strolche gelangt, jedoch doch offenbar deren Beispiel nacheifern, so dass bei fortgesetzter Übung die angestrebte Vervollkommnung bald erreicht sein dürfte. Es ist eigentümlich, dass diese rohen Subjekte, während ihre Halleschen Kollegen in den mehr entlegenen Stadtteilen ihr Wesen treiben, in unserer Stadt die Hauptstraßen zum Tummelplatz ihrer Rohheiten ungestraft auserwählen dürfen. In Gruppen von 8 bis 10 Mann ziehen dieselben nach Eintritt der Dunkelheit einher, die Vorübergehenden in den gemeinsten Zoteninsultierend, so dass es zum Beispiel für Damen geradezu gefahrbringend ist, um diese Zeit allein die Straße zu passieren. In jüngster Zeit hat sich vor dem Gotthardtstore ein Korporation etabiert, jedenfalls eine Abzweigung der sauberen Genossenschaft der inneren Stadt, welche die Prinzipien der letzteren in der würdigsten Weise vertritt. Halbwüchsige Bengels von 15 bis 17 Jahren lungern hier nach Art italienischer Lazzaroni, nur in weniger malerischer Stellung als diese, auf der Brustwehr der Überbrückung, die harmlos vorübergehenden Spaziergänger mit den unflätigsten Reden trancierend. Die Rohheit dieser sauberen Patrone geht sogar so weit, dass zum Beispiel vor einigen Tagen die junge Frau eines vor dem Gotthardtstore wohnenden Beamten von einem dieser Strolche bis dicht vor ihre Wohnung in der brutalsten Weise verfolgt wurde 

Beitrag zum Baumfrevel (Nr. 38)
Ebenso beklagenswert wie die erwähnte Rohheiten ist die Indolez, mit welcher die dem Schutze des Publikums empfohlenen Anpflanzungen unserer Stadt behandelt werden. Was hilft der Eifer des Verschönerungsvereins, wenn das, was er schafft, in den nächsten Stunden durch kindische Unart oder ruchlose Hand verdorben wird? Welchen Zweck hat es denn, wenn der Magistrat diese Anlage in der Obhut des Publikums empfiehlt und unter den Augen der vorübergehenden Bürger Frevel der genannten Art ungestraft verübt werden dürfen? 
Mann ist sehr gern geneigt, für alle die erwähnten Rohheiten, Ruchlosigkeiten und Unarten die Polizei verantwortlich zu machen, obgleich man sehr gut weiß, dass die 2-3 Exekutivbeamten, welche den ambulanten Dienst besorgen, nicht allgegenwärtig sein können. Und wenn heute die Zahl der Polizeisergeanten um das vierfache vermehrt würde, wozu zunächst, wie ein jeder weiß, die Stadt nicht in der Lage ist, so wird es um Abschaffung erwähnter Übelstände nicht um ein Jota besser bestellt sein, wenn die Polizei, wie bisher, von dem großen Publikum mit misstrauischen Augen betrachtet, und nicht, wie es nötig, von der Bürgerschaft in der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung genügend unterstützt wird nur hierdurch und durch ein energisches vereintes Eingreifen wird es möglich sein, dieses üppig wuchernde um Kraut, welches den sittlichen Lebensnerv unserer Stadt zu gefährden droht, mit der Wurzel auszurotten.
Versuchter Selbstmord in der Saale (Nr. 55)
Die Dienstmagd C. S. von hier versuchte am Sonntag ihrem Leben durch Ersäufen ein Ende zu machen. Sie war von ihrer Herrschaft eines geringen Diebstahls bezichtigt worden, davon gelaufen und in der Nähe des Scheitplatzes in die Saale gegangen. Zufällig kahnfahrende junge Leute verhinderten die Ausführung des Selbstmordes.
Brand in Merseburg (Nr. 55)
Zwei Kinder des Schäfers B. Aus Merseburg liefen vor kurzem Gefahr zu verbrennen. Auf bis jetzt unerklärliche Weise waren in der Schäferwohnung, in der die beiden vier und Dreivierteljahr alten Kinder eingeschlossen allein sich befanden, die Betten in Brand geraten. Dem Erstickungstode schon nahe, gelang es, die Kleinen noch zu retten. Es ist zu vermuten, dass fahrlässiges liegen lassen von Streichhölzern, mit denen die Kinder in den Betten spielten, der Grund des entstandenen Brandes gewesen ist.
Ein Pferdegeschirr geht durch Nr. 55)
Der Sohn des Gastwirts S. us Merseburg hatte am 8. Juli das Unglück, in der Nähe des Eisenbahntunnels von seinem Geschirr überfahren zu werden. Beim Passieren des Tunnels nämlich scheute sich sein Pferd nach dem Teiche hin, will den Eisenbahndamm in die Höhe und läuft schließlich der Stadt zu, wo es in der Nähe des Gasthofes zur Linde aufgehalten wird. S. und sein Begleiter springen, da sie nicht der Herr des Tieres werden können, aus dem Wagen, wobei Ersterer überfahren wird. Ein Beinbruch ist leider die Folge gewesen.
Bootsunglück (Nr. 55)
Am 8. Juli abends liefen drei Personen, zwei Männer und ein Mädchen, welche hinter dem Heuschkelschen Grundstück aus einem Kahn an das Ufer springen wollten und der Höhe des Ufers und der Dunkelheit wegen das Ziel verfehlt hatte, Gefahr zu ertrinken. Nur mit Mühe war es dem zuerst ans Ufer gesprungen gelungen, sich mit einer Hand an einem Baumes festzuhalten und den beiden anderen die andere Hand zu reichen und sie so über Wasser zu erhalten, bis nach langem Hilferuf ein in der Nähe wohnender Fischer die Rettung bewerkstelligte. Die übrigen im Kahn gebliebenen, des Fahrens völlig unkundigen Personen, waren nicht im Stande gewesen, an die dem Ertrinken nahen Personen heran zu kommen. Es dürfte dieser Vorfall, der sehr leicht drei Menschenleben kosten konnte, eine Mahnung sein, des Kahnfahrens unkundigen Personen überhaupt ein solches Gefährt und am wenigsten zur späten Abendzeit zu überlassen.
Übergriffe auf die Polizei  (Nr. 83)
Am 22. Juni hatte der Revierseargent Folgentreu das Unglück, im Kampfe mit einem sich gegen die bestehende Ordnung auflehnenden, bekannten, erst vor kurzem aus der Correctionsanstalt zurückgekehrten Strolch zu Boden geworfen zu werden, wobei er die Kniescheibe brach. Der Strolch suchte das Weite, trotzdem sich viel Publikums versammelt hatte, das zu untätiger Weise die ganze Szene, als ein Schauspiel komische Art, vor sich abspielen ließ, ohne dem unglücklichen Beamten hilfreiche Hand zu leisten. Der Beamte musste per Wagen fortgeschafft werden. 
Ähnlich hat sich eine solche Brutalität und Rohheit am 11. Juli an dem Revierdiener Heiner wiederholt. Derselbe ist bei der Festnahme zweier, nächtlichen Skandal vollführenden Individuen von diesen zu Boden geworfen und durch schlagen auf Leib und Brust derart malträtiert worden, dass auch er bettlägerig ist. Leider haben in diesem Fall auch die Wächter ihre Schuldigkeit nicht getan.
Es ist ein sehr trauriges Zeichen der Zeit, dass die zur Aufrechterhaltung der Ordnung berufenden Organe der Polizei in Konflikt mit der Hefe der menschlichen Gesellschaft nicht allein schutzlos und auf sich angewiesen bleiben, sondern dass das Publikum sogar eine gewisse Freude zu entwickeln im Stande ist wenn der Beamte den Kürzeren zieht. Denselben Personen aber, die sich über solche Brutalitäten lustig machen können, soll er, wenn äußeres Ungemach an sie herein tritt, eine Ratgeber und Helfer sein.
Kinder durch Armbrustschießen verletzt (Nr. 89)
Schon oft hat gerade in unserer Stadt der Spiel der Kinder mit Armbrüsten, Pfeil und Bogen Unglücksfälle nach sich gezogen und namentlich können mehrfach Fälle konstatiert werden, wo das schönste Geschenk Gottes, das Augenlicht, das Opfer solcher Spielereien werden musste. Vor einiger Zeit hat sich in zwei Fällen ein solches Unglück wieder vollzogen. Der sechsjährige Knabe F. auf dem Neumarkte hat sich mit einer ihm als Spielzeug geschenkten Armbrust zwei andere Kinder durch Schießen in die Augen derart verletzt, dass das eine bereits des einen Auges verlustig geworden ist, während das andere ebenfalls in ärztlicher Behandlung befindliche Gefahr läuft, auch das Augenlicht zu verlieren. Die Eltern des kleinen Schützen aber haben am eigenen älteren Knaben bereits dasselbe Unglück zu beklagen gehabt, denn dieser verlor vor einigen Jahren ebenfalls ein Auge durch einen Schuss mit Pfeil und Bogen.
Arbeitsunfall (Nr. 89)
Durch das Abrutschen eines Riemen von einer Bolline in einer hiesigen Fabrik wurde in vergangener Woche ein Arbeiter derart durch einen Schlag über die Brust verletzt, dass er bewusstlos zu Boden stürzte, während ein anderer an der Schulter getroffen ebenfalls zu Boden geschleudert wurde.
Schlägerei in Venenien (Nr. 89)
Sonntag gegen Abend entstand in der Schenke zu Venenien , so genannte Knochenschenke, Streit, worüber einer der Streitenden durch einen Schlag mit einem scharfen Instrumente so erheblich am Kopfe verletzt wurde, dass ärztliche Hilfe requiriert werden musste.
Polizisten niedergeschlagen (Nr. 89)
Ein Bekannter Krakähler, nur mit Hose und Stiefeln bekleidet, wurde Montag früh 2:00 Uhr auf dem Neumarkt wieder Skandal machend betroffen und, da er nicht Ruhe hielt, arretiert. Nachdem derselbe die lose am Leibe befindlich gewesene Hose befestigt und eine Weste angezogen hatte, schlug er den ihm zu Arrest bringen wollenden Beamten ins Gesicht und entsprang unter Zurücklassung seines Rockes und Stockes.
Diebstahl auf der Rischmühlen-Kirmes(Nr. 90)
Die Gaunerindustrie der Großstädte, aus öffentlichen Lokalen Überzieher zu vertauschen bzw. entwenden, fand auch hier bei Gelegenheit der Rischmühlen-Kirmes Nachahmung. Der Dieb wurde in der Person eines Schuhmachergesellen, der den neuen Überzieher bereits auf einem Heuboden versteckt hatte, ermittelt.
Gefängnisbeschwerde (Nr. 90)
Die Prätentionen der obdachlos umherziehenden Personen werden immer größer. So beschwerte sich die weibliche böse Sieben einer vor wenigen Tagen als obdachlos in die Polizeigefängnisse aufgenommenen Familie darüber, dass sie keine Betten bekämen.
Reiter mit Steinen beworfen (Nr. 90)
Mtit Recht wird von den fahrendem und reizendem Publikum darüber Beschwerde geführt, dass die Kinder aus Übermut mit Steinen nach den Pferden werfen. Abgesehen von dem Unfug, den jeder ordnungsliebende Erwachsene mit Energie zu hintertreiben sich bemühen möchte, ist im Fall des Scheuwerdens der Pferde das etwa entstehende Unglück gar nicht zu bemessen. Die Exekutive ist bei ihren geringen Kräften leider nicht in der Lage, bei vorkommenden Fällen in stets zur Hand zu sein.
Armbrustschießen ( Nr. 92)
Die in den letzten Nachrichten gemachte Mitteilung, dass der Knabe F. durch Armbrustschießen andere Kinder ins Auge geschossen hat, ist dahin zu berichtigen, dass es nicht der Schießende gewesen ist, sondern durch einen unglücklichen Zufall die Verletzungen stattgefunden haben.
Wintereinbruch (Nr. 92)
Durch die Wucht des uns überraschten Schnees ist in den Anlagen nicht unerheblicher Schaden durch Holzbruch entstanden, namentlich sind viele Tannen umgebrochen. Der plötzlich eintretende Winter und namentlich die durch den großen Schneefall entstandene schlechte Kommunikation machte auf den letzten Markttag einen erheblichen Eindruck. Auf den nur spärlich besuchten Wochenmarkt wurde für das Stück Butter zehn Silbergroschen und für das Mandel Eier elf Silbergroschen gefordert.