Kriminalgerichtsfälle vor dem Schwurgericht Naumburg

Diebstahl in Querfurt(20. Februar 1872)
Der Handarbeiter Karl Eduard Römer aus Zeugfeld war wegen schweren Diebstahls im Rückfälle angeklagt und wurde von Appellationsgerichts-Referendar Schmidt verteidigt. Der Angeklagte ist geständig, in der Nacht vom 29. zum 30. Oktober dem Inspektor Ackermann zu Querfurt folgende Gegenstände, als: eine goldene Taschenuhr mit goldene Halskette, einen Rock, einen Überzieher, eine Weste, ein Paar Beinkleider, ein Paar Stiefeln, zwei Halstücher und zwei Taschentücher entwendet zu haben. Er hat den Diebstahl geständigermaßen derart ausgeführt, dass er in die verschlossene Wohnung durch ein nicht geschlossenes Fenster in den Hausflur einstieg und sodann aus den unverschlossenen Räumen des oberen Stockes die Gegenstände entwendet. Bei dem Geständnis des Angeklagten würde die Zuziehung der Geschworenen nicht erforderlich gewesen sein, wenn die Staatsanwaltschaft nicht der Ansicht gewesen wäre, das mildernde Umstände dem Angeklagten nicht zuzubilligen sein. Diese Ansicht wird näher begründet und von der Verteidigung der Versuch gemacht, sie zu widerlegen. Die Geschworenen hielten den Angeklagten für schuldig und zwar ohne Annahme mildernde Umstände, worauf der Angeklagte Römer zu zwei Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf gleiche Dauer verurteilt, auch die Zulässigkeit zur Stellung unter Polizeiaufsicht ausgesprochen wurde.

Straßenraub bei Obergreißlau (22. Februar 1872)
Der Zimmergeselle Karl Friedrich Hirsch aus Langendorf stand wegen versuchten Straßenraubes und Diebstahls unter Anklage und wurde von dem Appellationsgerichts-Referenten Rietschel verteidigt. Als der Maurer Friedrich Vollrath aus Obergreißlau sich in der Morgendämmerung des 21. September nach seinem Arbeitsplätze, an dem Wärterhäuschen Nummer zwei der Geraer Bahn begeben wollte, erhielt er plötzlich einen heftigen Schlag von hinten über die linke Schulter. Er stürzte zu Boden und hörte von einer bekannten Stimme die Worte: „Hund, Du musst sterben.“ Er drehte sich nach seinem Angreifer um und erkannte in ihm den Zimmermann Hirsch aus Langendorf. Der Letztere schlug wiederholt mit einem starken Knüppel auf Vollrath los, der ihm zurief: „Hirsch, bedenke dein Gewissen“ und verletzte den Vollrath an der linken Backe, Arm und Achseln. Auf die Frage des Angegriffenen: „Was willst Du denn von mir?“ erwiderte Hirsch: „Hund, gibt das Geld heraus, Du hast Geld bei dir!“ worauf ihm Vollrath deine ganze Barschaft, bestehend aus einem Silbergroschen anbot. In diesem Augenblick hörte Hirsch das Nahen einer Person und entfernte sich, ohne den Silbergroschen angenommen zu haben. Hirsch hat sein Geständnisse abgelegt, bestreitet aber die Absicht zu töten gehabt zu haben. Der Angeklagte hatte schon vorher, am 14. September einen ähnlichen Einfall ausgeführt. Am genannten Tage begegnete er nämlich auf der Naumburg-Weißenfelder-Chaussee, eine halbe Stunde vom Gasthof „Zur schönen Aussicht“ der vom Wochenmarkt heimkehrenden unverehelichten Amalie Genenger aus Plotha und redete sie mit den Worten an: „Gib mir gutwillig das Geld her“. Das Mädchen trat erschrocken einige Schritte zurück, der Hirsch folgte ihr und versetzte ihr mit einem starken Knüppel einen Schlag auf den Kopf, während die Genenger einen zweiten ihren über den Kopf gehaltenen Arme parierte. Sie zog hierauf ihr Portmonee heraus und ließ sich dasselbe mit den darin befindlichen viereinhalb Silbergroschen aus der Hand nehmen, worauf Hirsch sich entfernte. Beide Verletzte sind wieder hergestellt worden, sind aber längere Zeit arbeitsunfähig gewesen. Auch diesen Fall hat Hirsch zugestanden. Außerdem ist Hirsch geständig, dem Gastwirt Heinecke auf der schönen Aussicht Anfang September ein Tischmesser entwendet zu haben. Der Staatsanwalt hielt die Anklage aufrecht. Die Verteidigung ist der Ansicht, dass dem Angeklagten mildernde Umstände zugesprochen werden müssten, die in der bisherigen Unbestraftheit und dem Geständnisse des Angeklagten zu finden seien. Die Geschworenen hielten den Hirsch unter Ausschluss mildernder Umstände für schuldig, worauf derselbe, dem Antrag der Staatsanwaltschaft gemäß, zu acht Jahren Zuchthaus und Verlust der Ehrenrechte auf gleiche Dauer verurteilt, zugleich auch die Zulässigkeit zur Stellung unter Polizeiaufsicht ausgesprochen wurde.

Diebstahl bei Schraplau (22. Februar 1872)
Der Maurer Johann Carl Christoph Mühlberg und seine Ehefrau Charlotte Henriette geborene Kühne aus Schraplau waren wegen schweren Diebstahls im Rückfälle angeklagt. Der gleichzeitig als Feldhüter fungierende Schäfer Steuer befand sich in der Nacht vom 23. zum 24. August zur Wache auf dem Feldplane seines Dienstherrn, Amtsrat Wenzel, in der Nähe von Schraplau, als er durch das Anschlagen seiner Hunde und durch das Geräusch von Sicheln auf die Vermutung kam, dass sich auf einer angrenzenden, gleichfalls seinem Herren gehörigen Haferbreite, die schon mehrfach bestohlen worden, Diebe befinden möchten. Mit einem Karabiner bewaffnet, näherte er sich der fraglichen Stelle und stieß bald auf drei mit abgeschnittenem Haferrispen gefüllte Säcke, während er in einiger Entfernung zwei Personen bemerkte, die mit Absicheln von Ähren beschäftigt waren. Er schlich sich bis auf wenige Schritte heran und erkannte in dem Frühlichte mit aller Bestimmtheit den Maurer Mühlberg und dessen Ehefrau. Letztere entsprang ihm und als er Mühlberg arretieren wollte, kam dieser mit gespanntem Doppel-Terzerol auf ihn zu. Steuer gebot ihm Halt und als jener immer weiter vordrang, drückte er seinen Karabiner auf ihn ab. Das Gewehr versagte, Mühlberg fasste es und hielt dem Steuer das gespannte Doppel-Terzerol auf die Brust mit den Worten: "Nun Hund, schieße einmal oder es ist dein Letztes!" Steuer nahm von weiterem Kampfe Abstand und musste zugeben, dass Mühlberg die drei Säcke mit entwendetem Hafer auf sein nahe liegendes Prachtstück schaffte. Die beiden Angeklagten leugneten die Tat und es ist die Ehefrau Mühlberg nicht im Stande gewesen, ihre Behauptung: Sie habe in der fraglichen Nacht ihre Wohnung nicht verlassen, zu beweisen. Bei der Hausdurchsuchung im Mühlbergschen Gehöft wurde indessen ein geladenes Doppel-Terzerol, wie es Steuer beschrieben, vorgefunden, außerdem 20-30 und ausgedroschene Hafergaben, mindestens ein halber Wispel Hafer, unter welchem sich deutliche Spuren von Klee vorfanden und mehrere Bündel ausgedroschene Haferabschnitte, auch eine bedeutende Qualität und ausgedroschene Haferabschnitte als Streufutter in dem Schweinestall. Auf seinem Pachtfelde hat Mühlberg aber höchstens zehn Scheffel Hafer geerntet, auch war auf demselben kein Klee vorhanden, während das bestohlene Haferstück mit untergesätem Klee bestanden, der so hoch aufgeschlossen war, dass bei dem Abschneiden der Haferrispen die Spitzen mehrfach mit abgeschnitten worden waren. Die heutige Beweisaufnahme fiel lediglich zu Gunsten der Anklage aus und es gelang der angeklagten Ehefrau auch heute nicht, durch die geladenen Zeugen der Verteidigung darzutun, dass sie in der Nacht der Tat ihre Wohnung wegen Krankheit nicht habe verlassen können, wie sie behauptet. Die Staatsanwaltschaft war daher vollkommen in der Lage, beantragen zu müssen, das Schuldig über die Angeklagte auszusprechen. Die Auseinandersetzungen der Verteidigung waren, dem vorliegenden, erdrückenden Belastungsbeweise gegenüber, fruchtlos, wenngleich sie sich bemühte, die Auslassungen des als Zeuge oder Sachverständiger vernommenen Bürgermeisters aus Schraplau anzugreifen. Die Geschworenen sprachen das Schuldig über beide Angeklagte aus, worauf der Maurer Mühlberg zu vier Jahren Zuchthaus, Verlust der Ehrenrechte auf gleiche Dauer, die verehelichte Mühlberg zu zwei Jahren Zuchthaus und Verlust der Ehrenrechte auf zwei Jahre verurteilt wurde, zugleich aber auch die Zulässigkeit zur Stellung beider Angeklagten unter Polizeiaufsicht ausgesprochen wurde.

 

Diebstahl in Roda (26. Februar 1872)
Der Tischlergeselle Ernst Reinhold Opitz aus Roda war wegen schweren Diebstahls im Rückfalle angeklagt. Der Angeklagte war im allgemeinen geständig, bestritt aber den erschwerenden Umstand. Nach der Anklage hatte er sich am 7. November gegen 8:00 Uhr abends in das Haus seines Bruders eingeschlichen, sich dann in die Hauskammer über dem Backofen begeben und gegen 11:00 Uhr nachts, als alle Bewohner des Hauses schliefen, aus der unverschlossenen Stubenkammer verschiedene Kleidungsstücke und ein Paket Zigarren und aus der Küche eine Partie Kuchen entwendet. Den Austritt aus dem Hause hatte er durch ein aus der Stubenkammer nach der Kegelbahn führendes Fenster vorgenommen und war von hier aus durch einen geöffneten Laden ins Freie gelangt. Der Angeklagte bestritt, wie schon oben gedacht, den erschwerenden Umstand des Enschleichens zum Zwecke des Diebstahls, will vielmehr nur deshalb in das Haus sich begeben haben, um ein Obdach zu suchen und den Entschluss zu stehlen erst später gefasst haben. Die Staatsanwaltschaft war mit der Annahme mildernder Umstände einverstanden und wurde der Angeklagte von den Geschworenen für schuldig erachtet und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Diebstahl in Meineweh (26. Februar 1872)
Der Handarbeiter Heinrich Karl Räche aus Meineweh war wegen zweier schwerer Diebstähle im Rückfälle angeklagt. Der Handarbeiter Friedrich Wilhelm Gerler stand wegen schweren Diebstahls unter Anklage. Beide Angeklagte waren am 2. Oktober auf dem Rittergut Meineweh damit beschäftigt, Kartoffeln in die Kellerräume zu schaffen. Bei dieser Gelegenheit hatte Räche geständiger Maße aus dem benachbarten Weinkeller, indem er die Kellertür gewaltsam erbrach, nach und nach 5-6 Flaschen Wein entwendet, die er dann zusammen mit Gerler, der um den Erwerb des Weins wusste, austrunken. Dies hatte auch Gerler eingeräumt. Räche war ferner geständig, im Frühjahr 1871 dem Brennereiführer Schmidt zu Meineweh aus einer Kiste, die auf einem Boden des Rittergutes stand und deren Deckel mit einem Nagel zu genagelt war, verschiedenes Handwerkszeug entwendet zu haben. Die Verteidigung des Räche führte aus, dass der an dem Weine verübte Diebstahl als ein solcher nicht, vielmehr nur als Entwendung von Genussmitteln von nicht bedeutenden Werte anzusehen sei und dass das Herausziehen des Nagels aus dem Deckel der Kiste bei dem zweiten Diebstahle nicht als ein Erbrechen der Kiste betrachtet werden könne. Bezüglich des Gerler ließ die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Diebstahls fallen und stellte den Antrag, denselben der Hehlerei für schuldig zu erachten. Gegen diesen Antrag wendete die Verteidigung ein, das von Hehlerei nicht die Rede sein könne, da Gerler den Wein nicht an sich gebracht, d.h. in seinen Gewahrsam genommen, sondern auf der Stelle getrunken habe. Die Geschworenen sprachen über Räche das Schuldig wegen schweren Diebstahls und wegen Entwendung von Genussmitteln, über Gerler wegen Hehlerei aus und wurde Räche demnächst zu einem Jahr Gefängnis und Ehrverlust auf ein Jahr sowie zu 14 Tagen Haft und Gerler zu einer Woche Gefängnis verurteilt.

Betrugsfall in Zeitz (26. Februar 1872)
Der Handarbeiter Johann Gottlieb Friedrich Itting aus Naumburg befand sich wegen Betrugs im Rückfälle und wegen Diebstahls im Rückfälle unter Anklage. Er ging war geständig. Er war am  4. und 5. Mai zu dem Gärtner Baum in Zeitz gekommen und hatte dort vorgegeben, er sei von dem Kaufmann Schiller in Theißen beauftragt, für ihn für 3 Taler 15 Silbergroschen Pflanzen zu holen. Auf diese Angabe erhielt er die Pflanzen, auch eine Rechnung auf Schillers Namen, die er mitnahm. Itting hatte die Pflanzen teilweise verkauft und einen Teil zurückzugeben versucht, als seine Schwindelei entdeckt wurde. Am 13. Mai bot Itting dem Gastwirte Reinhardt in Teuchern Bäume zum Verkaufe an und entwendeten bei dieser Gelegenheit einen Schubkarren, der vor der Türe des Reinhardtschen Schenklokals stand. Er hatte den Karren für einen Taler 15 Silbergroschen verkauft. Der Spruch der Geschworenen lautete, dem Antrag der Staatsanwaltschaft gemäß, auf Schuldig unter Ausschluss mildernder Umstände und wurde Itting zu einem Jahr und fünf Monaten Zuchthaus, 50 Taler Geldbuße, eventuell noch ein Monat Zuchthaus und Verlust der Ehrenrechte auf zwei Jahre verurteilt und die Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht ausgesprochen.
Schwurgericht Naumburg (27. Februar 1872)
Zuerst wurde verhandelt gegen die Müllergesellen Adolf Wind aus Drohndorf und Hermann Wilhelm Hohmann aus Leimbach, gegen Wind wegen schweren Diebstahls im Rückfälle, gegen Hohmann wegen Teilnahme an einem schweren Diebstahle. In der Nacht vom 20. zum 21. Oktober wurde in der Mühle zu Wetterau ein Diebstahl verübt, indem dem Müllerknappen Steiger aus einem verschlossenen Schränkchen 70 Taler gestohlen wurden. Der Verdacht der Tat lenkte sich auf dem Müllergesellen Wind, der mit der Lokalität vertraut war und dem man die Tat wohl zutrauen konnte, da er schon mehrfach wegen Diebstahls bestraft wurde. Wind wurde denn auch nach einiger Zeit ergriffen und gestand dieser Verübung des Diebstahls, zumal er noch im Besitze von 31 Talern betroffen wurde. Er bezichtigte aber den Mitangeklagten Hohmann als Gehilfen der Tat. Hohmann hat, nachdem er anfänglich jede Beteiligung an den Diebstähle hartnäckig in Abrede gestellt, zugestanden, in der von Wind erzählten Weise an der Tat teilgenommen zu haben, bestreitet aber die Angabe des Wind, dass er, Hohmann, die Anregung zur Verfügung des Diebstahls gegeben und behauptet, dass diese von Wind ausgegangen, der bekanntlich in der Mühle bekannt gewesen, während er früher noch nie in die hiesige Gegend gekommen sei. Die Staatsanwaltschaft setzt auseinander, dass der vorliegende Fall sich als Diebstahl mittelst Einschleichen zu charakterisieren, ein Einsteigen vorliege, da Wind auf einem Wege in die Mühle gelangt sei, der nicht zum Eintritt bestimmt sei. Die Verteidigung hält einen Diebstahl mittelst Einschleichens nicht für vorliegend, da hierzu gehöre, dass sich der Dieb nach dem Einschleichen in dem fraglichen Gebäude erst eine zeitlang versteckt gehalten haben müsse, bevor er an dieser Übung des Diebstahls gegangen. Auf diese Art sei der Diebstahl nicht ausgeführt, Wind habe vielmehr die ganze Handlung in einem Zuge, ohne unterbrochen worden zu sein, vollbracht. Die Verteidigung des Hohmann plädierte für diesen mit Annahme mildernder Umstände. Die Geschworenen stellten durch ihr Verdikt einen Diebstahl mittels Einschleichen fest und sprachen das Schuldig über Wind wegen schweren Diebstahls, ohne mildernde Umstände, über Hohmann wegen Teilnahme an einem schweren Diebstähle, unter Annahme mildernder Umstände, aus. Demgemäß wurden Wind zu drei Jahren Zuchthaus, Ehrverlust auf gleiche Dauer und Zulässigkeit zur Stellung unter Polizeiaufsicht und Hohmann zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Urkundenfälschung in Schkeuditz (27. Februar 1872)
Der Müller Heerd aus Schkeuditz war wegen Urkundenfälschung angeklagt. In einem Prozesse des Holzhändlers Renner zu Skeuditz gegen den Angeklagten produzierte der Letztere eine Quittung des Mandanten des Schkeuditzer Vorschussvereins über zwölf Taler, die er geständigermaßen gefälscht hatte. Die Quittung lautete ursprünglich über zwei Taler und änderte Heerd das Wort zwei in zwölf um. Da allerseits mildernde Umstände angenommen wurden, war die Zuziehung der Geschworenen nicht erforderlich und wurde der Angeklagte nur zwölf Tagen Gefängnis verurteilt.

Wechselbetrug in Merseburg (27. Februar 1872)
Der Handelsmann Hermann Keck aus Merseburg stand wegen Urkundenfälschung in zwei Fällen unter Anklage. Der Angeklagte war geständig. Er hatte im Frühjahr einen Wechsel über 15 Taler mit dem Rezept des Handelsmann Michael Ackermann in Lützen fälschlich selbst angefertigt und ihm an den Geometer Bräseke in Merseburg weiter begeben. In dem anderen Falle hatte er einen Wechsel über 50 Taler selbst angefertigt, auch als Akzeptanten  den Namen des Konditors Weber in Naumburg darauf gesetzt und auch diesen Wechsel weiter gegeben. Zu seiner Entschuldigung führte er an, dass er sich in der fraglichen Zeit in sehr großer Geldverlegenheit befunden, aber gehofft hätte, die Wechsel vor der Verweilzeit bezahlen und so wieder an sich bringen zu können. Seitens der Staatsanwaltschaft werden ihm mildernde Umstände, wie sie die Verteidigung beantragt, nicht zugebilligt. Die Geschworenen sprachen das Schuldig über den Angeklagten aus, nahmen aber in dem Falle, betreffend den Ackermannschen Wechsel, mildernde Umstände aus, worauf der Keck zu einem Jahr und einen Monat Zuchthaus und Verlust der Ehrenrechte auf zwei Jahre verurteilt wurde.

 

Unzucht in Cölleda (29. Februar 1872)
Die erste Sache gegen den Lehrer Friedrich Wilhelm Franke aus Cölleda, der wegen Unzucht angeklagt war und von Rechtsanwalt Träger aus Cölleda verteidigt wurde, wurde in nicht öffentlicher Sitzung verhandelt und der Angeklagte zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Unzucht in Lengefeld (29. Februar 1872)
Auch bei der zweiten Sache gegen den vormaligen Lehrer Rathmann aus Lengefeld, der ebenfalls wegen Unzucht unter Anklage gestellt, von Rechtsanwalt Träger, verteidigt wurde, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Rathmann wurde nach verhandelter Sache zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, auf welche Strafe jedoch fünf Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet wurden.

Mehrere Diebstähle (29. Februar 1872)
Der Handarbeiter Karl Erdmann Buschold aus Aue stand wegen Betrugs im Rückfalle und wegen mehrerer schwerer und einfacher Diebstähle im Rückfalle unter Anklage. Der Angeklagte war im wesentlichen geständig:
1. seinem Bruder im August verschiedene Kleidungstücke weggenommen zu haben
2. Am 20. November die für ehelichten Handarbeiter Otto im Teuchern durch die Vorspiegelung betrogen zu haben, er sei von dem Ehemann der Otto abgeschickt um diesem verschiedenen Kleidungsstücke zu überbringen. Die Otto händigte ihm die geforderten Sachen ein, die Buschold demnächst verkaufte
3. am 21. November dem Handarbeit Döhler in Theißen mehrere Gegenstände entwendet zu haben
4. in der Nacht vom 24. und 25. November in der Wärterbude Nummer 15 bei Gröben einen Diebstahl an einer Uhr, einem Spiegel und mehreren anderen Effekten in der Art ausgeführt zu haben, dass er eine Fensterscheibe eindrückte und durch das Fenster in das Wärterhaus einstieg
5. in der Nacht vom 25. und 26. November 1871 aus dem Büro der im Bau gegriffenen Hübnerschen Fabrik zu Crösseln mittels Einbruchs und Einsteigen mehrere Gegenstände entwendet zu haben
6. am Morgen des 27. November aus einem unverschlossenen Arbeitshäuschen der Riebeckschen Fabrik zu Crössln zwei Laternen und ein altes Pistol gestohlen zu haben
7. am 28. November dem Ökonomen Peter von Grochlitz aus seinem in Schönburger Flur gelegenen Weinbergehause einen Flintenlauf, indem er durch ein Fenster in das Haus Eenstieg, entwendet zu haben
8. an demselben Tage dem Ökonomen Kneist aus dessen Weinberghause ein Bild gestohlen zu haben und zwar mittels Einbruchs.
Die Geschworenen hielten den Angeklagten für schuldig, worauf derselbe zu drei Jahren Zuchthaus, 50 Taler Geldbuße eventuell noch ein Monat Zuchthaus und Verluste Ehrenrechte auf drei Jahre verurteilt, auch die Zulässigkeit der Sicherstellung unter Polizeiaufsicht ausgesprochen wurde.

Kindesmord in Barstedt (29. Februar 1872)
De unverehelichte Friederike Dittmann aus Heringen war wegen Kindesmordes angeklagt. Am 11. November 1871 wurde die Angeklagte als krank von Barnstedt, wo sie bei dem Ökonomen Lautenschläger in Dienst gestanden, nach Querfurt geschafft. Sie gab an ,schwanger gewesen zu sein und eine Fehlgeburt erlitten zu haben. Man stellte Nachforschungen an und entdeckte auf dem Lautenschlägerschen Futterboden, unter einem Haufen Rapskappen versteckt, den Leichnam eines Kindes weiblichen Geschlechts. Das Kind war nach dem Gutachten der Sachverständigen ein reifes und lebensfähiges und ist am Gehirnschlage gestorben, welcher durch die mittels äußerer Gewalt dem Schädel beigebrachten Knochenbrüche verursacht war. Die Dittmann ist geständig, in Barnstedt ihr Kind unmittelbar nach der Geburt vorsätzlich getötet zu haben. Sie befand sich seit dem Frühjahr 1871 schwanger und sie will geglaubt haben, ihre Entbindung werde erst nach dem Neujahr 1872 eintreten. In der Nacht vom 11. zum 12. Dezember stellten sich jedoch Wehen ein. Sie ging dessen ungeachtet am Morgen des 11. Dezember zu ihrer Arbeit in den Kuhstall und wurde dort entbunden. Da ihre Entbindung von niemand bemerkt worden, glaubte sie dieselbe verheimlichen zu können, wenn sie das Kind beseitige. Sie nahm zu diesem Zwecke dien in dem Stalle befindliche Mistgabel, stieß dieselbe wiederholt in den Körper des Kindes und verdeckte dasselbe, als es zu schreien aufgehört, mit etwas Mist zu. Sie besorgte hierauf die Kühe, bis ihre Herrschaft ihr Unwohlsein bemerkte und ihren Transport nach Querfurt anordnete, worauf sie die Kindesleiche auf den Futterboden trug und unter Rapskappen versteckte, in der Erwartung, dass sie dort lange Zeit unentdeckt bleiben würde. Die Verteidigung plädierte auf Annahme mildernder Umstände, deren Vorhandensein seitens der Staatsanwaltschaft bestritten wurde die Geschworenen sprachen das Schuldig mit mildernden Umständen aus und wurde demgemäß die Angeklagte zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

 

Notzucht in Kreuschberg (10. Juni 1872)
Die erste Sache betraf den Dienstknecht Johann Friedrich Karl Baufeld aus Keuschberg, der wegen versuchter Notzucht unter Anklage stand. Bei der Verhandlung dieser Sache war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Geschworenen hielten den Angeklagten für schuldig, worauf er vom Gerichthofe zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf zwei Jahre verurteilt wurde.

Diebstahl in Zeitz (10. Juni 1872)
Der Handarbeiter Heinrich Gottlieb Bucher aus Zeitz war wegen schweren Diebstahls im Rückfälle angeklagt. Am 30. März abends wurde auf der königlichen Domäne in Zeitz ein Diebstahl mittels Einbruchs und Einsteigens verübt, in dem der Dienstmagd Emilie Hilbert ein Portmonee mit einigen Groschen Geld, ein fertiger Strumpf, Garn, Brot und Kuchen und der Dienstmagd Selma Rohmer, ein Geldbeutel mit einem Taler sieben Silbergroschen und sechs Pfennigen, ein vertretener schwarzer Moireerock, schwarze Wolle, ein Paar Strümpfe, ein Tuch und Kuchen aus der Mägdekammer entwendet worden. Der Dieb hatte zur Verübung der Tat ein nur mit halber Mannshöhe vom Boden befindliche Fenster der fraglichen Kammer eingedrückt und war durch dasselbe eingestiegen. Der Verdacht lenkte sich sofort gegen den Angeklagten, einen schon vielfach wegen Diebstahls bestraften Menschen, der mit der Lokalität wohl bekannt war und es wurden auch bei einer vorgenommenen Haussuchung die sämtlichen gestohlenen Gegenstände in einem Stalle des Angeklagten, unter Holz versteckt, aufgefunden. In Folge dessen hat der Angeklagte auch den Diebstahl zugestanden. Bei der heutigen Verhandlung der Sache wiederholte er dieses Geständnis wobei der Verteidiger den Antrag auf Annahme mildernde Umstände stellte, der Staatsanwalt und der Gerichtshof sich diesem Antrag anschlossen, so wurde ohne Zuziehung der Geschworenen verhandelt und der Angeklagte zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf zwei Jahre verurteilt.

Unterschlagung in Naumburg (11. Juli 1872)
Zuerst wurde verhandelt gegen den Buchhändler Emil Albert Rudolph aus Naumburg, der wegen Urkundenfälschung angeklagt war. Der Inhalt der Anklage war folgender: der Wagenbauer Munckelt hatte im vergangenen Jahr einen Wagen, der dem Gutsbesitzer Kobe zu Ranstedt gehörte und den er auflackieren sollte, in die Remise des Weißgerbers Karl Zinn zur Aufbewahrung gestellt. Zinn beanspruchte dafür von Kobe eine monatliche Miete von 15 Silbergroschen und ersuchte ihn in einem Briefe vom 6. Februar die bis dahin fällige Miete von vier Talern zu entrichten. Kobe ließ diesen Brief unbeantwortet, da er die Sache am einen 20. Februar, an welchem Tage er hierher in anderen Geschäften reisen musste, persönlich zu regulieren gedachte. Aber schon am 12. Februar meldete sich bei ihm ein Mann, den er schon früher bei einer anderen Geschäftsangelegenheit kennen gelernt hatte und erklärte ihm, dass er von Zinn beauftragt sei, die fällige Remisenmiete von 4 Talern 15 Silbergroschen für diesen einzuziehen. Der fremde Mann legte dabei eine schon geschriebene und mit dem Karl Zinn Weißgerbermeister unterzeichnete Quittung über 4 Taler 15 Silbergroschen vor und erhielt infolge dessen von Kobe diesen Betrag ausgezahlt. Als Letzterer aber nun am 21. bei Zinn vorsprach, erfuhr er, dass Letzterer kein Geld erhalten, auch niemand mit der Einziehung desselben beauftragt hatte. Der Fremde, der das Geld von Kobe eingezogen, wurde hierauf in der Person des Angeklagten ermittelt. Dieser, ein Freund des Zinn, war über die Forderung des Letzteren an Kobe informiert und gibt auch zu, den Betrag eingezogen und die dem Kobe übergebene Quittung vorher geschrieben zu haben, behauptete aber von Zinn hierzu beauftragt worden zu sein. Diese Behauptung wird von Zinn widerlegt, der übrigens erst am 2. April den fraglichen Betrag vom Vater des Angeklagten ausgezahlt erhalten hat.
Bei der heutigen Vernehmung des Angeklagten blieb dieser zunächst bei der Aussage bestehen, die er in der Voruntersuchung deponiert hatte, namentlich, dass er im Auftrage des Zinn gehandelt. Nachdem er jedoch eindringlich ermahnt worden, gab er zu, einen direkten Auftrag zur Einziehung des Geldes von Zinn nicht erhalten zu haben, er erzählt den Hergang wie folgt: Er sei am 11. Februar mit Zinn in einer Restauration gewesen, wo selbst in dieser gesagt, er habe von Kobe 4 Taler Wagenmiete zu fordern, habe an denselben geschrieben und ihn gemahnt, aber keine Antwort erhalten. Er werde 15 Silbergroschen zum Besten geben, wenn er sein Geld erhalte. Er, Rudolph, habe darauf gesagt:" Na, da werde ich einmal einen Vers machen", worunter er verstanden, er wolle versuchen, das Geld von Kobe einzuziehen, auf welche Äußerung Zinn indes keine Antwort gegeben habe, so dass er aber annehmen müssen, Zinn sei mit diesem Vorschlag einverstanden. Am nächsten Tage habe er eine Reise nach Erfurt unternommen und beschlossen, auf dieser Tour den Versuch zu machen, das Geld von Coburg einzuziehen, weshalb er von Sulza aus nach Ranstedt gegangen sei und den Kobe, unter Vorlegung der Quittung, die er vorher entweder in Sulza oder in Rahnstedt geschrieben, mit seinem Auftrage bekannt gemacht und von diesem den Betrag von 4 Taler und 15 Silbergroschen erhalten habe. Nun habe er seine Reise zur weiter fortgesetzt, sei erst nach Verlauf von sechs Tagen wieder hier zurückgekehrt und habe aber schleunigst wieder verreisen müssen und habe so vergessen, den Betrag an Zinn wieder abzuführen, habe überhaupt auf die Beschleunigung dieser Angelegenheit kein so großes Gewicht gelegt, da er mit Zinn befreundet gewesen sei. Das Geld habe er allerdings sodann verbraucht, habe indes seinen Vater beauftragt, das Geld an Zinn zu zahlen, was dieser auch am 2. April getan habe. Er glaube hernach nicht, dass er sich einer Urkundenfälschung schuldig gemacht habe. Der Zeuge Zinn blieb zunächst bei seinen bisherigen Auslassungen stehen, bestritt namentlich, den Rudolph mit der Einziehung des Geldes beauftragt zu haben, wurde aber im Verlaufe der Verhandlung zweifelhaft und gab schließlich zu, dass Rudolph zu ihm gesagt, er werde einmal einen Vers machen, welche Redensart der anfänglich nicht verstanden haben wollte, bis er sich aber später doch so ausgelegt habe, als wolle Rudolf Schritte tun, um ihn zu seinem Gelde zu verhelfen. Auch dass er versprochen, 15 Silbergroschen zum Besten zu geben, wenn er zu seinem Gelde kommt, gab der Zeuge heute zu. Die Staatsanwaltschaft beantragte, das Schuldig über den Angeklagten auszusprechen und zwar wegen schwerer Urkundenfälschung, billigte dem Angeklagten jedoch mildernde Umstände zu und  sieht besonders in dem Umstand das Requisit der Beschaffung eines Vermögensvorteils, dass der Angeklagte 15 Silbergroschen Miete für den noch nicht abgelaufenen Monat Februar eingezogen und unzweifelhaft beabsichtigt habe, sich diese 15 Silbergroschen anzueignen, da er von Zinn gewusst, dass dieser nur 4 Taler Miete bis Januar beanspruche. Die Verteidigung beantragte Freisprechung des Angeklagten, da dieser von der Quittung nicht zum Zwecke der Täuschung auch nicht, um sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen, Gebrauch gemacht habe, also einfache Urkundenfälschung und zwar unter Zubilligung mildernder Umstände anzunehmen. Der Gerichtshof hielt es für nötig, den Geschworenen, falls dieselben die Schuldfrage wegen der Urkundenfälschung verneinen sollten, die Frage vorzulegen, ob der Angeklagte sich der Unterschlagung schuldig gemacht habe. Die Geschworenen hielten den Angeklagten weder schuldig der Urkundenfälschung noch der Unterschlagung, worauf der Rudolph von Strafe und Kosten freigesprochen wurde.

Unzucht in Altlöbnitz (11. Juni 1872)
Der Lehrer Friedrich August Remmler aus ein Altlöbnitz war wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen mit seinen minderjährigen Schülerinnen angeklagt. Die Sache wurde in nicht öffentlicher Sitzung verhandelt und der Angeklagte zu einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf zwei Jahre verurteilt.

Unzucht in Lützen (11. Juni 1872)
In dritter Sache wurde ebenfalls in nicht öffentlicher Sitzung verhandelt, da der Angeklagte Schumachergeselle Hermann Pohle aus Lützen, wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen mit einem Mädchen unter 14 Jahren angeklagt war. Er wurde für nicht schuldig erachtet und deshalb freigesprochen, aber seine Unterbringung in einer Besserungsanstalt ausgesprochen.

Betrug in Zeitz (4. November 1872)
Es wurde zuerst verhandelt  gegen den früheren Schneider, jetzigen Bahnarbeiter Fürchtegott Zausch aus Könderitz, jetzt zu Stendal, der wegen Betrugs im Rückfälle angeklagt war. Der Angeklagte kam am 30. Mai in das Geschäft des Kaufmann Ritter in Zeitz und forderte Zeug zu Rock, Hose und Weste, auch das dazugehörige Futter, indem er vorgab, er sei vom Inspektor Oberländer aus Etzoldshain dazu beauftragt, für diesen einen Anzug zu fertigen. Die Bezahlung solle nach der Ablieferung durch ihn selbst erfolgen. Infolgedessen erhielt Zausch das Zeug im Werte von 14 Taler 13 Silbergroschen. Später stellte sich nun heraus, dass Zausch einen Auftrag vom Inspektor Oberländer nicht gehabt, sich vielmehr selbst einen Anzug aus dem Zeug gefertigt hatte und damit nach Stendal abgereist war. Dort wurden die Sachen in Beschlag genommen. Der Angeklagte bestreitet, die Waren unter der Versicherung entnommen zu haben, dass dieselben zu einem Anzuge für den Oberinspektor Oberländer bestimmt seien, hat aber später zugegeben, gesagt zu haben: er brauche das Zeug zu einem Anzug für einen Inspektor. Zausch würde, nach der Versicherung des Ritter, die Waren auf Kredit nicht erhalten haben, wenn er nicht falsche Vorspiegelungen vorgebracht hätte. Die heutige Verhandlung ergab etwas Neues nicht, weshalb der Staatsanwalt beantragte, das Schuldig über den Angeklagten auszusprechen. Die Verteidigung war anderer Ansicht und plädierte auf nicht Schuldig, indem sie auszuführen versuchte, dass Zausch eine Beschädigung nicht beabsichtigt, vielmehr den Ritter bezahlt haben würde, wenn er nicht durch seine plötzliche Abreise nach Stendal, die außer seiner Berechnung gelegen, daran gehindert worden sei. Ritter könne übrigens auch durch das Vorgeben, die waren seien zu einem Anzuge für einen Inspektor bestimmt, nicht zur Hergabe der Sache veranlasst sein, zumal er den Namen des  Zausch ursprünglich als Schuldner in seinem Handelsbuch eingetragen und erst später eine Veränderung darin vorgenommen habe, dass er den Inspektor Oberländer als seinen Schuldner notierte. Für den Fall aber, dass dennoch das Schuldig über den Zausch gesprochen werden sollte, bittet die Verteidigung um Annahme mildernder Umstände. Die Staatsanwaltschaft führt aus, dass keine Gründe vorliegen, die die Annahme mildernder Umstände rechtfertigen. Die Geschworenen sprachen das Schuldig, über den Angeklagten unter Ausschluss mildernder Umstände aus, worauf Zausch, dem Auftrage der Staatsanwaltschaft gemäß, zu einem Jahr Zuchthaus, 50 Taler Geldbuße, im Unvermögensfalle noch ein Monat Zuchthaus und Verlust der Ehrenrechte auf zwei Jahre verurteilt wurde.   

Schwerer Diebstahl im Plagwitz, Cröbern, Weißenfels und Zorbau (4. November 1872)
Der Schornsteinfegergeselle Hermann Wilhelm Langrock aus Weißenfels stand wegen dreier schweren und eines versuchten schweren Diebstahls unter Anklage. Der Angeklagte war geständig. Er hatte in der Nacht vom 3. zum 4. Mai dem Materialwarenhändler Frauenheim zu Plagwitz bei Leipzig, indem er eine Fensterscheibe eindrückte, das Fenster aufwirbelte und durch dasselbe in das Haus einstieg, aus einem unverschlossenen Kasten im Verkaufslokale Zwei Taler, außerdem ein Paket Garn und drei Paar Hosenträger entwendet. Den zweiten Diebstahl beging er in der Nacht vom 25. zum 26. Mai beim Materialwarenhändler Göttlich in Cröbern bei Leipzig, indem er etwa einen Taler Geld, eine silberne Zylinderuhr, 100 Stück Zigaretten, zwei Kästchen Stahlfedern, eine Kleiderbürste und ein Paar rindslederne Stiefel entwendete, indem er ebenfalls durch ein Fenster einstieg. Sodann stahl er am 8. Juni seinem Stiefvater, dem Handarbeiter Gottlob Schliebs zu Weißenfels, in dessen Wohnung er dadurch gelangte, dass er mit einem Steine ein Fenster einschlug, dass Letztere öffnete und durch dasselbe einstieg, eine silberne Taschenuhr, einen Schal, ein paar goldene Ohrringe, eine Weste, eine Hose und ein Paar Stiefel. Bei dem vierten Diebstahl, den er in der Nacht vom 14. und 15. beim Ökonomen Gottfried Hüfner in Zorbau auszuführen beabsichtigte wurde er, als er schon in dessen Haus eingestiegen war, gefasst. Es musste auch bei dieser Sache unter Zuziehung der Geschworenen verhandelt werden, da die Staatsanwaltschaft das Vorhandensein mildernder Umstände bestritt während die Verteidigung entgegengesetzter Ansicht war. Die Geschworenen schlossen sich der Ansicht der Staatsanwaltschaft an und es wurde demzufolge der Angeklagte zu vier Jahren Zuchthaus, Verlust der Ehrenrechte auf gleiche Dauer verurteilt und die Stellung der Angelegenheit unter Polizei auf sich für zulässig erachtet.

Schwerer Diebstahl in Eberstedt (4. November 1872)
Die unverehelichte Johanne Louise Wilhelmine Lange aus Naumburg war wegen schweren Diebstahls im Rückfälle angeklagt. Sie war geständig, Anfang Juli der unverehelichten Karoline Fritsche aus Eberstadt, die ihren verschlossenen Koffer mit ihren Effekten bei dem Dienstherrn der Lange eingestellt hatte, 27 Silbergroschen sechs Pfennige aus dem gedachten Koffer, den sie mit mittelst falschen Schlüssels öffnete, entwendet zu haben. Da allseitig mildernde Umstände als Vorhandensein angenommen wurden, war die Zuziehung der Geschworenen nicht nötig. Der Gerichtshof verurteilte die Lange zu einem Jahr Haft Gefängnis und Verlust der Ehrenrechte auf ein Jahr.

Schwerer Diebstahl im Cordula (4. November 1872)
Der Handelsmann Friedrich August Hartung aus Großgöhren war wegen schweren Diebstahls im Rückfälle angeklagt. Auch dieser Angeklagte war geständig. Er war am 17. Juni in das Geschäft des Ökonomen Reile in Großgodulla gekommen in welchem der Handarbeiter Kohlschmidt wohnte. Da er bemerkte, dass sich niemand im Gehöft befand, und ein Fenster der  Kohlschnittschen Wohnung sich nur mit einem Gazefenster verschlossen fand, beschloss er, einen Diebstahl zu begehen, zerriss das Gaazefenster, stieg durch dasselbe ein und entwendete aus einer unverschlossenen Kommode 28 Silbergroschen acht Pfennige. Das Einsteigen war indessen bemerkt worden. Er wurde noch in der Stube des Kohlschmidt arretiert und ihm das gestohlene Geld wieder abgenommen. Da allerseits mildernde Umstände als Vorhandensein angenommen wurden, wurde ohne Geschworenen verhandelt der Angeklagte zu einem Jahr Gefängnis und Verlust der Ehrenrechte auf ein Jahr verurteilt.  

Unterschlagung eines Postbeamten in Querfurt (5. November 1872)
Der Postsekretär Anton Rudolf Apell aus Querfurt war wegen Unterschlagung amtlich anvertrauter Gelder, verbunden mit unrichtiger Buchführung, angeklagt. Der Angeklagte, seit 1867 in Querfurt angestellt, war namentlich in dem letzten Jahr mit der Verwaltung der Postannahme und Ausgabekasse betraut. Bei einer am 28. Februar statt gehabten außerordentlichen Revision stellten sich bei dieser Kasse Unstimmigkeiten heraus, dass Apell wiederholt Gelder aus der Postkasse entnommen und in seinem Nutzen verwendet hatte, wobei er zur Verdeckung seiner Handlungsweise unrichtiger Eintragungen in die Kontrollbücher gemacht. Bei dem Geständnisse des Angeklagten handelt es sich hauptsächlich um die Frage, ob dem Angeklagten mildernde Umstände zuzurechnen, oder nicht, da hiervon die Mitwirkung der Geschworenen abhängig war. Die Staatsanwaltschaft enthielt sich in dieser Beziehung eines direkten Antrages, stellte vielmehr, indem sie das Für und Wider ausführlich beleuchtete, die Beantwortung der Frage ganz dem Ermessen der Geschworenen anheim. Die Verteidigung findet in dem bisherigen makellosen Rufe des Angeklagten, den ihm vielfach betroffenen Hauskreuz, seiner drückenden Schuldenlast, die mäßigen Einkommen und den überaus hohen Preise sämtlicher Lebensmittel Milderungsgründe. Die Geschworenen sprachen das Schuldig über den Angeklagten aus zwar unter der Annahme mildernder Umstände, worauf sie Appell zu einem halben Jahr Gefängnis und Verlust der Ehrenrechte auf zwei Jahre verurteilt wurde.

Diebstahl in Merseburg (5. November 1872)
Die Sache wurde ohne Zuziehung der Geschworenen verhandelt, der Angeklagte ausreichend geständig war und sowohl von Seiten der Staatsanwaltschaft als auch vom Gerichtshof der vom Verteidiger beantragten Annahme mildernder Umstände beigetreten wurde. Der Schneider Johann Ludwig Traue aus Merseburg, der wegen schweren Diebstahls im Rückfälle angeklagt war und vom Referendar Ehrenberg verteidigt wurde, war im vergangenen Sommer von dem Öbster Patzschke aus Merseburg als Obstpflücker angenommen, wurde aber Mitte August wegen Faulheit und Widerspenstigkeit entlassen. Am Morgen des 15. August verließ Patzschke seine Obstbude, eine Baulichkeit, die er mit seiner Familie bewohnte und die dadurch hergestellt war, dass vier starke Pfosten fest in den Erdboden gerammt und an denselben Bretter genagelt waren und vernagelte deren Tür, die kein Schloss hatte, mit vier starken Nägel. Als er am Abend zu der Bude zurückkehrte, fand er die Tür erbrochen und entdeckte, dass aus der Bude ein Jackett, ein Kinderhemd, eine Hose, ein Paar Strümpfe und ein Handtuch entwendet waren. Der Angeklagte wiederholte auch heute sein Geständnis und will die Tür mit Gewalt, jedoch ohne Anwendung von Instrumenten erbrochen haben. Der Gerichtshof verurteilte den Traue zu zwei Jahren Gefängnis und Verlust der Ehrenrechte auf zwei Jahre.

Mord in Schkopau (6. November 1872)
Als Angeklagter erschien der Handarbeiter Friedrich Wilhelm Großpetsch aus Schkopau, der wegen Mordes angeklagt war und vom Rechtsanwalt Wölfel aus Merseburg verteidigt wurde. Nach der verantwortlichen Vernehmung des Angeklagten wurde seitens der Verteidigung ein umfangreicher Beweis dafür angetreten, dass der Angeklagte zur Zeit der Tat geistig gestört gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft widersprach zwar dieser Beweisaufnahme, aber der Gerichtshof beschloss die heutige Verhandlung aufzuheben und die Voruntersuchung in der von der Verteidigung beantragten Richtung zu vervollständigen.

 

Urkundenfälschung in Schillingstedt ( 7. November 1872)
Der Maurer und Landwirt Heinrich Abicht aus Schillingstedt war wegen Urkundenfälschung angeklagt.
Die Ehefrau des Angeklagten erbte von ihrer am 5. Februar verstorbenen Mutter, der Witwe Schäfer, verschiedene Grundstücke. Diese und andere Ländereien, an denen die Verstorbene den lebenslänglichen Nießbrauch hatte, waren seit längerer Zeit verpachtet gewesen. Früher hatte  Abicht die eine Hälfte und sein Schwager Wilhelm Schäfer die andere Hälfte der Pacht gehabt. Die Witwe Schäfer beauftragte aber im Jahre 1869 den Schulze Bergmann mit der anderweitigen Verpachtung, so dass am 12. September 1869 die Einwohner Mumme, Runge und Lange eine Anzahl Ländereien achteten und zwar auf fünf Jahre. Als Pachtvertrag diente eine Rezitationsverhandlung vom 12. September 1869, die wir Schulze Bergmann aufgenommen hatte. Am 3. Juni klagte die ehelichte abbricht im Beistand ihres Ehemannes gegen die drei vorgenannten Pächter, weil dieser eine Pachtrate nicht pünktlich bezahlt und deshalb ihr Pachtrecht verwirkt hätten. Unter Vorlegung des Pachtvertrages behauptete abbricht, dass die fragliche Pachtrate am 1. Juni fällig gewesen wäre. Da aber alle drei Verklagte behaupteten dass der Pachtzins erst am 1. Juli zu zahlen sei und eine genaue Besichtigung des Originals des Pachtvertrages die erheblichen Bedenken gegen Abichts Angaben hervorriefen, so zog Abicht den 4. Juli die drei Klagen zurück. In  § 2 des gedachten Pachtvertrages stand nämlich jetzt der 1. Juni als Tag der Fälligkeit der ersten Pachtrate jeden Jahres verzeichnet, während der Augenschein ergibt, dass an der betreffenden Stelle eine Rasur sichtbar ist früher das Wort Juli dagestanden hat, wie der Schulze Bergmann, der die Verhandlung aufgenommen hat, beurkundet. Diese Fälschung hat unzweifelhaft Abicht bewirkt, da er das wesentlichste Interesse daran gehabt hatte, die Pachtgrundstücke baldigst zur eigenen Bewirtschaftung zu erhalten. So hatte er denn auch schon im April den Schulze Bergmann um Rat gefragt und den Bescheid erhalten: er möge abwarten, ob die Pächter am 1. Juli pünktlich zahlen, da er entgegengesetzten Falles dann die Grundstücke vertraglich ohne weiteres zurücknehmen könne. Der fragliche Pachtvertrag war schon vor dem Ableben der Witwe Schäfer in die Bewahrung des Angeklagten übergegangen. Nach der Zurücknahme der vorgedachten drei Klagen hielt der Schulze Bergmann dem Abicht vor, dass er den Pachtvertrag gefälscht habe und Abicht nahm sowohl diese Beschuldigung als auch eine ähnliche, die in der Pächter Lange vorwarf, ruhig, erwiderte auch dem Einwohner Zimmermann, als dieser ihm die Fälschung vorhielt: der Schulze wisse viel, was er vor drei Jahren geschrieben habe. Abicht will übrigens die Klagen deshalb zurückgenommen haben, weil er erfahren, dass nach Angabe des Schulzen die Pacht erst am 1. Juli fällig werde. Soweit die Anklage. Der Angeklagte bestreitet hartnäckig den Vertrag gefälscht zu haben. Derselbe habe in seiner Wohnstube in einem Warenkorb belegen und für jedermann, auch den Schwägern zugänglich gewesen, die dasselbe Interesse zur Sache hätten, wie er. Außerdem habe er den Vertrag auch eine Zeit lang aus den Händen gegeben gehabt. Der Verteidiger beantragt mildernde Umstände anzunehmen. Die Staatsanwaltschaft glaubt nicht in der Lage zu sein für die Annahme mildernder Umstände plädieren zu sollen. Die Geschworenen sprachen Schuldig unter Annahme mildernder Umstände über den Angeklagten aus und wurde amtlich demgemäß zu drei Monaten Gefängnis und 50 Taler Geldbuße eventuell noch ein Monat Gefängnis verurteilt.

 

Diebesbande aus Weißenfels(7. November 1872)
Der Handarbeiter Christian Nikolaus Großstück aus Weißenfels war wegen zweier einfachen und eines schweren Diebstahls im Rückfall angeklagt. Der Handarbeiter Ludwig Valerius  aus Mörsdorf wegen wiederholter Hehlerei, Teilnahme an einem einfachen Diebstahl im Rückfälle und schweren Diebstahls im Rückfall angeklagt. Die  verehelichte Handarbeiterin Amalie Großstück, geborene Sonntag aus Weißenfels war wegen wiederholter Hehlerei angeklagt. Die verwitwete Handarbeiterin Johanne Christiane Sonntag, geborene Dietel aus Weißenfels war wegen Hehlerei beschuldigt. Die geschiedene Handarbeiterin Keller aus Weißenfels war wegen Begünstigung einer Hehlerei angeklagt. Großstück fing im Januar den Hunde des Fleischermeister Hahn in Weißenfels weg. Valerius, der darum wusste, schlachtete diesem Hund, den sodann beide verzehrten. Einige Tage später fing Großstück den Hunde des Fleischermeisters Tempel in Weißenfels. Valerius gab den Vorschlag, diesen zu verkaufen, was beide denn auch taten und 15 Silbergroschen dafür erhielten, die sie nicht teilten. Am 28. März abends wurde dem Rittergutsbesitzer Armack zu Wiedebach aus einem unverschlossenen Stalle, während die Knechte sich in der Gesindestube befanden, 2 zweischläfrige Deckbetten mit Überzügen, ein Pfühl und ein Betttuch gestohlen. Diesen Diebstahl haben ein gewisser Putze und Valerius ausgeführt und ist hierbei Großstück insofern beteiligt, als er einen Sack und Korb zum Transport der gestohlenen Bettstücke hergab. Die ehelichte Großstück erhielt von Putze einen Teil des gestohlenen Gutes zum Geschenk nahm dies auch an, obwohl sie wusste, dass die Sachen gestohlen waren. Im April verübten Putze, Valerius und Großstück bei dem Schuhmacher Rohland in Burgwerben einen Diebstahl und entwendeten demselben ein Deckbett mit Überzug, ein Unterbett mit Überzug, zwei Kissen mit Überzug, ein Bettunch, einen Überzug und eine blaue Schürze. Die Sachen wurden in die Wohnung des Letzteren geschafft, in der die Frau Großstück und die Angeklagte Keller anwesend waren, welche beide über den Erwerb der Sache aufgeklärt wurden. Die Bettstücke wurden dann an die Witwe Sonntag verkauft, obgleich auch diese darüber klar war, dass die Gegenstände gestohlen waren. Da die Witwe Sonntag, eine alte Frau, die Betten selbst nicht forttragen konnte, schaffte die Keller dieselben in die Wohnung der Sonntag, während die Großstück ein mitentwendetes Betttuch von dieser als Geschenk annahm. Die Angeklagten waren geständig bis auf die Sonntag und die Keller. Erstere bestreitet, gewusst zu haben, dass es sich um gestohlene Sachen handele, dass sie dieselben auch mit neuen Talern teuer. bezahlt habe, während die Keller zwar zugibt, die Betten zu Sonntag getragen zu haben, aber nicht, ob dieser die Vorteile ihres Vergehens zu sichern, sondern nur, um  ihr eine Gefälligkeit zu erweisen. Die Staatsanwaltschaft hielt die Anklage überall aufrecht, während die Verteidiger der Sonntag und der Keller auf nicht schuldig plädiert. Die Geschworenen hielten sämtliche Angeklagten für schuldig: Die Keller aber für nicht schuldig, worauf Großstück zu drei Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre und Zulässigkeit der Unterstellung der Polizeiaufsicht; Valerius zu einer gleichen Strafe; die verehelichte Großstück zu drei Monaten Gefängnis und Zulässigkeit der Stellungen der Polizeiaufsicht; die Witwe Sonntag zu einem Monat Gefängnis verurteilt; die geschiedene Keller freigesprochen wurde.

Versuchter Totschlag in Zeitz (8. November 1872)
Es kam heute nur eine Sache zur Verhandlung zwar gegen den Polizeiwachtmeister Carl Friedrich Wilhelm Mießner aus Zeitz, der wegen versuchten Totschlags angeklagt war. Der Angeklagte befand sich am Abend des 3. September in einem aufgeregten Zustände in der so genannten Burgererholung, einem übel berüchtigten Restaurationslokale in Zeitz. Er war bereits am Nachmittag dieses Tages, der Kontrolle halber, in dem gedachten Lokale gewesen und war dort von dem viel gestraften Handarbeiter Busch und dessen nicht viel besseren Ehefrau beleidigt worden. Daher die Aufregung am Abend. Er machte den Mitanwesenden, unter denen sich auch der Polizeisekretär Gieseler, der Polizeisergeant Reiche und der Öbstler Gentzsch befanden, von dem Vorfalle am Nachmittag Mitteilung und äußerte sich dabei in sehr heftiger Weise, indem er einen geladenen Revolver, den er sich nachmittags gekauft hatte, in der Hand hielt. Er beauftragte zunächst die Kellnerin, unverehelichte Leonhard, zu den im Hause nwesenden Busch`schen Eheleuten und deren Angehörigen zu sagen: Sie möchten kommen, der Räuberhauptmann, so hatten sie ihn am Nachmittag geschimpft, sei da. Als die Leonhard diesen Auftrag nicht ausführte, begab er sich selbst, mit dem Revolver in der Hand, in den Garten und rief: Kommt ihr Spitzbuben, der Räuberhauptmann ist da, sechs Hunde erschließe ich und sechs zerhacke ich. Man suchte den Mießener zu beruhigen, es gelang aber nicht. Da erschien plötzlich der Handarbeiter Busch in Begleitung seiner Ehefrau und der Korbmacher Börsch, denen später der Schlosser Müller folgte, in dem Restaurationslokale und redete Busch den Angeklagten in höhnischem Tone an: Was ist denn hier los, was machen Sie denn mit der Pistole in der Stube, Herr Wachtmeister? Mießner erhob, ohne von Busch vorher angegriffen zu sein, den Revolver und feuerte einen Schuss auf Busch ab. Die Kugel ging dicht an den Kopf des Busch vorbei und schlug in die Wand. Nach dem Schusse entriss Busch dem Angeklagten den Revolver. Der Angeklagte bestreitet auf Busch geschossen zu haben, behaupte vielmehr, der Revolver sei bei den Ringen mit Busch ohne sein Verschulden losgegangen. Bei der heutigen Beweisaufnahme waren seitens der Verteidigung der Bürgermeister Born aus Zeitz und der dortige Polizeikommissar als Zeugen über die bisherige Dienstführung des Angeklagten benannt wurden, die denn auch den Mießener das beste Zeugnis gaben. Die Staatsanwaltschaft bedauert in der Lage sein zu müssen, gegen den Angeklagten auf Schuldig anzutragen, indem sie zugibt, dass die Polizeibeamten in Zeitz einen schweren Stand hätten gegenüber dem rohen Teil der Zeitzer Bevölkerung. Die Verteidigung ist der Ansicht, dass der Angeklagte freizusprechen, da er sich dem Busch gegenüber, der ihm den Tod geschworen habe, seiner Haut habe wehren müssen, dies aber zu spät gewesen sein würde, wenn erst seitens des Busch ein Angriff stattgefunden, da es diesem oft bestraft Menschen schwerlich auf einen Messerstich angekommen sein würde. Die Geschworenen hielten, den Angeklagten für nicht schuldig, worauf er freigesprochen wurde.