Geschichte bis 1500

Frühgeschichtliche Besiedlung...nach Alfred Koch, der die Ausgrabungen auf der Altenburg 1927 bis 1930 leitete

 

 

Feste über den Wassern… die Hochseeburg und die Königs-und Bischofsbauten in Merseburg

von Alfred Koch

erschienen um 1930

Hallesche Nachrichten Bücherei Bd. 12

Das vorliegende Buch behandelt die Baugeschichte der alten Stadt Merseburg, insbesondere die früh-geschichtlichen Bauten aus der Zeit vor der Jahrtausendwende auf der Altenburg. Bereits in den Jahren von 1907-1920 wurden unter Leitung von Frau Baumann-Seyd Ausgrabungen auf der Altenburg durchgeführt. Es handelte sich dabei um die ersten Grabungen die auf der Altenburg. Der Architekt Alfred Koch war verantwortlicher Leiter der Ausgrabungen in der Zeit von 1927-1930. Die Finanzierung dieser Ausgrabungen erfolgte durch verschiedene Wirtschaftsbetriebe, wie zum Beispiel das Wunderwerk. Die durchgeführten Grabungen und Untersuchungen führten zu folgenden Ergebnissen:

der Altenburger Hügel und das 1,5 km entfernt liegende Gelände Steckner`s Berg waren bereits in der Steinzeit und der Bronzezeit besiedelt. Für die mittlere und spätere Eisenzeit ist eine große germanische Volksburg nachgewiesen, die das Gebiet der Altenburg und des Doms umfasst. Zahlreiche slawische Scherben belegen das Vorhandensein slawischer Siedlungen. Die erste Besiedlung der Stadt Merseburg erfolgte zweifellos auf der Altenburg.

Im sechsten Jahrhundert kam der Hassegau unter fränkische Hoheit. Auf dem Grabungsfeld entdeckte Mauerreste weisen auf erste Kultbauten in.

Diese bisher vorhandenen Gebäude wurden durch Feuer zerstört und im achten Jahrhundert erfolgte eine neue Bebauung. Vermutlich wurde unter Pippin , dem Vater Karl des Großen, zum Zwecke der Missionierung eine erste Basilika angelegt, die zum Teil in ihren Fundamenten freigelegt wurde. Dieser an der östlichen Grenze gelegene Christianisierungspunkt genoss sicher militärischen Schutz durch dort stationierte Soldaten. Vermutlich haben die Franken wie auch an anderen großen Sachsenburgen hier eine Siedlung errichtet.  Die Erwähnung dieser Siedlung erfolgte zum  ersten Mal als "Mersiburc civitas" im Hersfelder Zehntverzeichnis um 850/860. Tatsächlich dürfte die Siedlung bereits viel früher entstanden sein, etwa um 550-570.

Im zehnten und elften Jahrhundert bleibt Merseburg falls der Herrscher aus dem sächsischen Hause. Von 967-981 war Merseburg Bischofssitz. Im Jahr 1004 wurde das bis zu Merseburg wieder errichtet.

 

Hansestadt Merseburg

Obwohl Merseburg fast 200 Jahre der Hanse angehörte, sind nur wenige Dokumente vorhanden, die diese Zugehörigkeit belegen. Im Jahr 1426 trat die Stadt Merseburg der Hanse bei. Die Originalurkunde ist heute verschollen, Der im 19. Jahrhundert amtierende Bürgermeister Seffner  verweist darauf, dass der Pfarrer Fraustadt aus Bündorf bei seinen Studien im Merseburger Archiv die Hansebund-Urkunde entdeckt hat.   Eine Abschrift der Beitrittsurkunde durch den Heimatforscher A. Gerhardt ist erhalten geblieben. Nach dem Merseburger Chronisten Vulpius steht der Eintritt in die Hanse in ursächlichem Zusammenhang mit dem Einfall den anzunehmenden Einfällen der Hussiten, die dann 1430 tatsächlich das Merseburger Stiftsgebiet verwüsteten. Im Stadtarchiv befinden sich weitere Dokumente, die auf einen Anschluss der Stadt an die Hanse verweisen. Der letzte Verweis auf die Hanse stammt aus dem Jahre 1604. Vermutlich endete die Zugehörigkeit in den Wirren des 30jährigen Krieges.

Der Eintritt in die Hanse war mit Streitigkeiten gegen die bischöflichen Landesherren verbunden, welche erst 1430 beigelegt wurden. Der Rat musste 600 Gulden an den Bischof zahlen und das Neumarkttor der bischöflichen Hoheit überlassen. Im Zuge der Reformation erhielt die Stadt im Jahre 1547 das Neumarkttor mit allen Rechten zurück.

Über das Handelsvolumen und die Handelsorte ist nichts weiter bekannt. Ein wirtschaftlicher Aufschwung in dieser Zeit ist nicht nachweisbar. Die Zugehörigkeit der Stadt zur Hanse dokumentiert heute noch durch die rot – weißen Farben der Hanse im Merseburger Stadtwappen.  

(diese Angaben wurden der Broschüre…Merseburg einst und jetzt 20/2008 –Erich Meinicke – entnommen)  

Stift Merseburg

Geschichte des Domstifts Merseburg

Dom und Schloss Merseburg stehen auf einer Hochfläche am linken Ufer der Saale. Im 10. Jahrhundert erwarb König Heinrich I. Merseburg und das umgebende Gebiet und baute es zur Pfalz aus. Im Jahre 968 gründete Otto I. (der Große) das Bistum Merseburg, das dem Heiligen Laurentius geweiht wurde. In Anknüpfung an eine Johanniskirche entstand der Merseburger Dom Ss. Laurentius und Johannes der Täufer. 981 erfolgte die Auflösung des Bistums, 1004 wurde es durch Kaiser Heinrich II. neu begründet.

Das Bistum wurde in der Folge durch Heinrich II. umfangreich ausgestattet und damit der Grund für die spätere Ausdehnung des Hochstifts gelegt. Bischof Thietmar von Merseburg legte 1015 den Grundstein für einen frühromanischen Dombau. 1021 erfolgte im Beisein von Kaiser Heinrich II. die Domweihe. Bischof Thietmar gehört zu den wichtigsten Chronisten der Ottonenzeit, an ihn erinnern im Dom seine Grabplatte sowie ein jüngst aufgestellter Brunnen im Kreuzhof. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts gehörte Merseburg zu den wichtigsten Königspfalzen, erst im Zuge des Interregnums konnten die Bischöfe ihre Herrschaft mehr und mehr verselbstständigen.

Dom und Schloss Merseburg
Grenzen des Bistums
Urkunde König Heinrichs II. für das wiederbegründete Bistum Merseburg

Mittelalter und Neuzeit: Die Stadt wuchs im 12. Jahrhundert kräftig, indem der Markt erweitert wurde und an der Leipzig führenden Straße mit dem Neumarkt eine Neustadt mit Pfarrkirche St. Thomas entstand.

Während im 13. und 14. Jahrhundert vor allem die Vertreter der Harzgrafengeschlechter den Bischofsstuhl besetzten, versuchten seit dem 15. Jahrhundert die Wettiner als Kurfürsten von Sachsen Einfluss auf Bischofswahl und Domkapitel zu nehmen. Eine neuerliche Blüte erlebte Merseburg unter Bischof Thilo von Trotha (1466-1514), der die Verehrung Kaiser Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde intensivierte. Hintergrund war die faktisch beschnittene Reichsunmittelbarkeit des Hochstifts. Unter der Ägide des Bischofs entstand das topographisch und architektonisch herausragende Ensemble des Dom- und Schlossbezirkes.

Dieses hat bis heute sein spätgotisches Gesicht bewahrt. Das Bistum Merseburg war besonders früh von der Reformation betroffen, insbesondere Bischof Adolf von Anhalt hatte sich gegen Reformationsbestrebungen in den ernestinischen Landesteilen seines Bistums zu erwehren. Im Zuge der Reformation kam es in Merseburg zur Einsetzung Herzog Augusts als weltlicher Administrator des Hochstifts. Gleichzeitig wurde der Merseburger Domherr Georg von Anhalt 1544 Administrator in geistlichen Dingen, also de facto ein evangelischer Bischof. Nach dem Schmalkaldischen Krieg 1546/47, von dem auch Merseburg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, setzte Kaiser Karl V. mit Michael Helding nochmals einen katholischen Bischof ein. Er konnte allerdings gegen die vordringende evangelische Konfession wenig ausrichten, entfaltete allerdings in Zusammenarbeit mit dem Naumburger Bischof Julius Pflug ein umfangreiches Predigtprogramm.

Seit dem Tod Heldings 1561 wählte das Domkapitel stets einen Wettiner zum Administrator des Hochstifts, der nach lutherischem Verständnis auch als Notbischof fungierte.

Das Merseburger Domkapitel blieb trotz aller Eingriffsversuche von Seiten der Wettiner bestehen. Es wählte auch ferner die Administratoren des Hochstifts. Zu seinen vornehmsten Aufgaben gehörte die bauliche Unterhaltung des Domes und der in der Domfreiheit stehenden Kurien. 1930 kam es zum Zusammenschluss des Domkapitels Merseburg mit dem Naumburger Domkapitel und dem Kollegiatstift Zeitz.



Der Heilige Laurentius

Laurentius von Rom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Icon tools.svg Dieser Artikel wurde im Portal Wappen zur Verbesserung eingetragen. Hilf mit, ihn zu bearbeiten, und beteilige dich an der Diskussion!
Martyrium des heiligen Laurentius, gemalt von Tizian

Laurentius von Rom (* evtl. in Osca (Spanien) oder Laurentum; † 10. August 258 in Rom) war römischer Diakon zur Zeit des Papstes Sixtus II. und starb als christlicher Märtyrer, weshalb er als Heiliger geführt wird. Sein Fest ist der 10. August. Dieser Termin gilt für die evangelische, anglikanische, römisch-katholische und orthodoxe Kirche. Der armenische Gedenktag ist der 11. August.

Der Heilige gilt als der bekannteste Träger des Namens Laurentius. Da der Name am wahrscheinlichsten Der Mann aus Laurentum bedeutet, könnte Laurentius auch tatsächlich aus der Stadt Laurentum südwestlich von Rom gestammt haben, die bei Rom lag. Er ist der Schutzpatron der Bibliothekare, Archivare, Studenten sowie vieler, die mit Feuer zu tun haben, etwa der Bierbrauer, Wäscherinnen und Köche. Bei Hexenschuss, Ischias- und Hautleiden wird er ebenfalls angerufen.

 

Leben

St. Laurentius in Arnreit, OÖ

Die Legende erzählt: Als Erzdiakon von Rom war Laurentius in Vertretung des Papstes für die Verwaltung des örtlichen Kirchenvermögens und seine Verwendung zu sozialen Zwecken zuständig. Nachdem der römische Kaiser Valerian Papst Sixtus hatte enthaupten lassen, wurde Laurentius aufgefordert, alles Eigentum der Kirche innerhalb von drei Tagen herauszugeben. Daraufhin verteilte Laurentius das Vermögen an die Mitglieder der Gemeinde, versammelte alle Armen und Kranken und präsentierte sie als den wahren Reichtum der Kirche dem Kaiser. Dieser ließ Laurentius deswegen mehrfach foltern und dann durch Grillen auf einem eisernen Gitterrost qualvoll hinrichten. Daher rührt ein weiterer Name: Laurentius mit dem Roste. Der Überlieferung nach waren seine an den Kaiser gerichteten letzten Worte: „Du armer Mensch, mir ist dieses Feuer eine Kühle, dir aber bringt es ewige Pein.“

Darstellung in der Kunst

In der künstlerischen Darstellung – auf Gemälden und Zeichnungen oder in Form von Statuen – wird dem Heiligen das Attribut des Rostes, auf dem er zu Tode gequält wurde, beigegeben; häufig wird er auch mit der Märtyrerpalme dargestellt. In Wappen steht oft der Rost als alleiniges Symbol für ihn.

Verehrung

Grabplatte aus San Lorenzo fuori le mura

Italien

Rom

Schon in der Frühzeit des Christentums galt Laurentius als bedeutender Heiliger. Neben seinem Grab vor den Stadtmauern Roms wurde zur Zeit Konstantins des Großen eine Basilika erbaut. Diese ursprüngliche Basilika verschwand im Lauf der Jahrhunderte, blieb aber als größere Basilika (Basilica maior) in Erinnerung. Die später über dem Grab des Laurentius gebaute Kirche und eine weitere Basilika davor sind seit dem frühen Mittelalter zu einer einzigen Kirche, San Lorenzo fuori le mura, zusammengefasst. Sie zählt bis auf den heutigen Tag zu den sieben Pilgerkirchen von Rom und bezeugt so noch heute das außergewöhnliche Ansehen des Laurentius, der oft sogar als Stadtpatron Roms betrachtet wird. Aufgrund der Erwähnung der verschwundenen Basilika als Basilica maior wird sie heute sogar zu den ursprünglich nur vier Patriarchalbasiliken gezählt. Auch der angeblich vom Martyrium stammende Rost wird heute noch in Rom in der Kirche San Lorenzo in Lucina verehrt. Jedes Jahr am 10. August wird das Haupt des heiligen Laurentius auf einem Seitenaltar der kleinen Kirche Sankt Anna rechts neben den Kolonnaden des Petersplatzes gezeigt.

Amaseno

In der Marienkirche des kleinen Ortes Amaseno südöstlich von Rom wird eine Blutreliquie des Laurentius aufbewahrt, die sich jedes Jahr zum Tag seines Martyriums verflüssigt.

Deutschland

Der Laurentius-Kult in Deutschland verbreitete sich nach dem Sieg Kaiser Ottos I. gegen die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg am 10. August 955, dem Laurentiustag.[2]

Wappen von Zwenkau, St. Laurentius mit Rost und Märtyrerpalme
  • Laurentius war der Patron des in der Reformation untergegangenen Bistums Merseburg. Die in diesem Bistum gelegene Stadt Zwenkau führt den Heiligen bis heute in ihrem Wappen.
  • Das Wuppertaler Stadtwappen, das Wappen des Aachener Stadtteils Laurensberg, des Bonner Stadtteils Hardtberg, des Wiesbadener Stadtteils Naurod und das ehemalige Wappen der Stadt Elberfeld aus dem 14. Jahrhundert zeigen den Rost des Laurentius. Im Stadtkern Wuppertal-Elberfelds liegen der Laurentius-Platz und dahinter die Laurentius-Kirche.
  • Die Gemeinde Reddeber im Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt) führt den Rost des Laurentius ebenfalls im Wappen, ebenso gibt es dort die Laurentiuskirche, deren Ursprungsbau nachweislich 955 begonnen wurde.
  • Der Heilige Laurentius ist Schutzpatron der Ortsgemeinde Herschbach, welche den Heiligen auf ihrem Wappen führt. Es existiert eine Laurentius-Allee, die zur Laurentius-Kapelle, einem Wallfahrtsort, führt. Weiterhin wurde neben der Pfarrkirche ein 3 Meter hoher Basaltstein errichtet, der den Schutzpatron darstellt.
  • Weitere Orte führen Laurentius ebenfalls in ihrem Wappen, so Niedernhall, Bülach, Benneckenstein (Harz), Oberderdingen, Üxheim und der Wiener Gemeindebezirk Penzing.
  • In Mönchengladbach wurde eine Reliquie, das so genannte Haupt des Laurentius, verehrt.
  • Laurentius ist Kirchenpatron von Großgartach, welches im Zuge der Gemeindereform von 1970 zusammen mit Schluchtern in der neuen Gemeinde Leingarten aufgegangen ist. Das frühere Wappen von Großgartach zeigte Laurentius mit Rost und Palmenzweig. Die heutige Gemeinde Leingarten trägt den Rost links im Schild. In Leingarten steht die evangelische Lorenzkirche und das dazugehörige Lorenz-Gemeindehaus.

Kirchenbauten

Siehe HauptartikelLaurentiuskirche

Fresco aus dem 15. Jh. mit der Darstellung des Martyriums des heiligen Laurentius in der Laurentiuskapelle der Marienkirche Hanau

Sonstiges



Michael Helding: der letzte Katholische Bischof in Merseburg

Michael Helding aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Michael Helding (auch „Sidonius“ genannt; * 1506 in Langenenslingen bei Riedlingen/Sigmaringen; † 30. September 1561 in Wien) war ein katholischer Bischof, Gelehrter, Schriftsteller und Humanist. Leben Als Sohn eines Müllers von einfacher Herkunft immatrikulierte er sich im Herbst 1525 an der Universität Tübingen. Schon Pfingsten 1527 wurde er zum Baccalaureus und Weihnachten 1528 zum Magister promoviert. Sodann ging er als Lehrer nach Mainz und übernahm dort gegen 1531 das Rektorat der Domschule. Hier kam er eng mit dem Humanismus in Berührung, dem er zeitlebens verbunden blieb. Nach seiner Priesterweihe wirkte er unter Kardinal Albrecht von Brandenburg ab 1533 am Mainzer Dom. Am 18. Oktober 1537 wurde er dort zum Weihbischof berufen und erhielt am 4. August 1538 die Bischofsweihe. Zudem wurde er zum Titularbischof von Sidon ernannt. 1543 promovierte er zum Doktor der Theologie. 1540/1541 nahm er als katholischer Delegierter am Wormser Religionsgespräch teil, ebenso 1546 am Regensburger Religionsgespräch sowie am Konzil von Trient. Am geharnischten Reichstage zu Augsburg (1547/48) wirkte er als Mitverfasser des Augsburger Interims mit. Dies zog ihm die harsche Polemik des Matthias Flacius und anderer Protestanten zu. Im Dezember 1550 zog er als Nachfolger des protestantischen Georg III. von Anhalt als letzter katholischer Bischof in Bistum Merseburg ein. Beim Augsburger Reichstag 1555 war er ebenso zugegen wie im Herbst 1557 auf dem Wormser Religionsgespräch, wo seine Fragen die lutherischen Theologen gegeneinander in Streit und Zwietracht verwickelten. 1561 wurde er vom Kaiser Ferdinand I. zum Vorsitzenden des Reichshofrates in Wien ernannt. Dort starb er im September des Jahres. Helding gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Reformkatholizismus seiner Zeit, der mittels Wort und Schrift versuchte, die Einheit des Glaubens zu bewahren und aktiv an der notwendigen Umgestaltung der katholischen Kirche mitzuarbeiten. Er blieb seinem Glauben treu und galt dennoch als reformfreudig und tolerant Andersgläubigen gegenüber.

ADB:Helding, Michael

Wechseln zu: Navigation, Suche
Allgemeine Deutsche Biographie
<<<Vorheriger
Sidler, Georg Joseph
Nächster>>>
Siebel, Franz
Band 34 (1892), S. 164–166. (Quelle)
Wikipedia-logo-v2.svg Michael Helding in der Wikipedia
GND-Nummer 118710109
DNB: Datensatz, Rohdaten, Werke
Online-ADB/NDB, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

Sidonius, katholischer Bischof von Merseburg, † 1561. S. hieß eigentlich Michael Helding und führte seinen Namen Sidonius erst, nachdem er zum Bischof von Sidon in partibus infidelium ernannt worden war. Er wurde als eines Müllers Sohn im Jahre 1506 zu Langenenslingen unweit Riedlingen in Schwaben geboren. 1525 begann er Universitätsstudien in Tübingen, wo er in der Matrikel Riedlingensis genannt ist. Nachdem er auf der heimischen Hochschule Weihnachten 1528 zum Magister promovirt war, setzte er seine Studien in Mainz fort. 1531 begegnet er uns hier bereits als Rector der Domschule, und 1533 als Domprediger; es ist wahrscheinlich, daß er ebenfalls in Mainz vorher die Priesterweihe empfangen hat. Da er sich als Kanzelredner bald auszeichnete und bei dem Mainzer Erzbischofe, dem als Gegner Luther’s bekannten Cardinal Albrecht von Brandenburg, in hohe Gunst kam, so machte ihn dieser zu seinem Weihbischofe, wobei ihm der Papst Paul III. den Titel eines Bischofs von Sidon i. p. i. verlieh. Als Pfründen erhielt er gleichzeitig in Mainz zwei Kanonikate, und im J. 1543 promovirten ihn die dortigen Theologen zum Doctor der Theologie. So lange Albrecht lebte, genoß er dessen Vertrauen, wie ihn dieser z. B. im J. 1545 als seinen Gesandten auf das Concil nach Trient schickte. Von Albrecht’s Nachfolger zurückgerufen, war er doch seit dieser seiner Mission in den Gesichtskreis des Kaisers Karl V. gerückt, welcher ihn von da an für seine eigene Kirchenpolitik zu gebrauchen suchte. Günstige Gelegenheit, sich Helding’s geistlich-politischer Virtuosität zu bedienen, bot sich dem Kaiser nach der Niederwerfung des Schmalkaldischen Bundes, als er dem Protestantismus einen von ihm selbst zurechtgemachten Staatskatholicismus aufzulegen sich anschickte. Er berief H., nachdem derselbe bereits zum kaiserlichen Rath ernannt war, auf den Reichstag nach Augsburg, ließ ihn als Reichstagsprediger gegen den Protestantismus Predigten halten und beauftragte ihn, in Gemeinschaft mit dem Bischofe Julius v. Pflug und dem brandenburgischen Hofprediger Johann Agricola eine einstweilige Kirchenordnung, das „Interim“, zu entwerfen, das am 15. Mai 1548 Gesetzeskraft erhielt. Aus der Reformationsgeschichte ist bekannt, wieviel Unheil dieses „Interim Augustanum“ über die deutschen evangelischen Prediger brachte. Denn da durch dasselbe der Protestantismus [165] in der Verfassung wiederum dem Papste und den Bischöfen unterworfen und im Dogma wie im Cultus wieder der römischen Kirche angenähert werden sollte, während man den protestantischen Predigern nur die Ehe, und den protestantischen Gemeinden nur die Feier des Abendmahls unter beiderlei Gestalt einstweilig beließ: so sahen sich Hunderte von Geistlichen, die sich nicht fügten, alsbald gezwungen, Amt und Brot aufzugeben und mit Weib und Kind in die Verbannung zu ziehen. Helding aber wurde zum Lohn für die bei Aufrichtung des Interims geleisteten Dienste vom Kaiser dem Merseburger Domcapitel unter dem 4. November 1548 als Candidat für den damals daselbst erledigten Bischofsstuhl empfohlen. Die Domherren wagten sich dem kaiserlichen Drucke nicht zu entziehen und postulirten den Vorgeschlagenen am 28. Mai 1549. Da sich indeß die päpstliche Bestätigung der Wahl einige Zeit hinzog, konnte H. erst gegen Ende des folgenden Jahres, den 2. December 1550, in sein Bisthum einziehen. Fürst Georg von Anhalt, welcher als ältestes Mitglied des Domcapitels bis dahin die Verwaltung des Bisthums geführt hatte, verpflichtete den neuen Bischof bei dieser Gelegenheit eidlich, daß er „in Religionssachen keine Veränderungen vornehmen und namentlich die verheiratheten Geistlichen in ihren Aemtern belassen sollte“. Bei dem Ueberwiegen der Evangelischen innerhalb seines Bisthums sah sich denn H. am Anfang seiner Amtsführung zu „gelindem“ Betragen genöthigt; je länger je mehr aber wandte er seinen Einfluß zur Wiederherstellung des römischen Kirchenwesens an – ein Unternehmen, welches freilich durch den Widerstand vieler evangelisch gesinnten Geistlichen und Gemeinden so erheblich gehemmt wurde, daß Helding’s ganze bischöfliche Thätigkeit keine rechten Erfolge aufzuweisen hat. Der Schwerpunkt seiner Thätigkeit scheint überhaupt nicht in Merseburg gelegen zu haben; vielmehr war er häufig mit kaiserlichen Aufträgen bei kirchlich-politischen Verhandlungen betraut und infolge davon oft von seiner bischöflichen Residenz abwesend; so begegnet er uns 1555 in Augsburg und 1556 in Regensburg auf den Reichstagen und 1557 auf dem Religionsgespräch zu Worms; einer aufrichtig friedfertigen Vermittlung hat er sich dabei allerdings nicht befleißigt. Immerhin muß er sich in diesen Verhandlungen so geschickt bewiesen haben, daß der Kaiser Ferdinand ihn 1558 zum Mitgliede des Reichskammergerichts in Speyer und 1561 zum Mitgliede und sodann zum Vorsitzenden des Reichshofrathes ernannte. Durch die mit diesen Aemtern verbundenen Obliegenheiten war H. veranlaßt, seinen Wohnsitz bald in Speyer, bald in Wien aufzuschlagen, während die Angelegenheiten des Bisthums Merseburg von einem 1558 dort eingesetzten Verwaltungsrathe geleitet wurden. Sein letztes Amt hat H. indeß nur kurze Zeit inne gehabt, denn noch in demselben Jahre, in welchem er es erhielt (1561), starb er am 30. September und wurde im St. Stephansdom zu Wien beigesetzt; das Bisthum Merseburg aber fiel durch eine „perpetuirliche Capitulation“ an das Kurfürstenthum Sachsen.

Den Lebenswandel Helding’s haben katholische Schriftsteller als sittenstreng gelobt, während sein litterarischer Gegner Flacius (bei Kawerau s. u.) nicht unterlassen hat, ihn grober fleischlicher Vergehen zu beschuldigen.

In der theologischen Litteratur verdient Helding’s Name aus zwei Gründen Beachtung. Einerseits hat er selbst praktisch-theologische Schriften verfaßt; so eine „Brevis institutio ad christianam pietatem secundum doctrinam catholicam“ Moguntiae 1549, lateinisch und deutsch, seitdem oft gedruckt, z. B. lateinisch Antw. 1554; Deutscher Katechismus (Maintz 1557), neuerdings bei Mousang, Katholische Katechismen des 16. Jahrh. (Mainz 1881), S. 365–414; sodann zahlreiche Predigten in mehreren Sammlungen, z. B. die auf dem Reichstage zu Augsburg 1548 gehaltenen „Fünfzehn Predigten, von der heiligsten Messe“ (Ingolstadt 1548, Neudruck 1563), Predigten über den Propheten Jonas (Mainz [166] 1558), „Postille“ (Mainz 1565). Nach Kawerau’s Urtheil darf H. daraufhin unter den katholischen Predigern des sechzehnten Jahrhunderts eine hervorragende Stellung beanspruchen. Anderseits hat dieser Prediger durch seine gerade in Augsburg vor Kaiser und Reich zuversichtlich vorgetragenen und oft wiederholten Behauptungen von dem apostolischen Ursprunge der römischen Cultushandlungen, die Protestanten zu geschichtlichen Studien über die kirchliche Liturgie veranlaßt, als deren reifste Frucht die Schrift des Matthias Flacius „Missa latina quae olim ante Romanam … in usu fuerit“ im J. 1557 erschien.



Alte Merseburger Siegel...Broschüre von 1928

Thietmar von Merseburg und seine Chronik

König Heinrich II. bestätigt der Merseburger Domkirche die Schenkungen seiner ottonischen Vorfahren