1900 bis 1945

Inhaltsverzeichnis zu 1900 1945

 

Margarete Bothe ...1933/45...Widerstandkämpferin

Heinrich von Helldorff...1933/45...Nationalsozialist und Widerstandskämpfer

Wahl zum Provinzlandtag 12.März 1933...1933/45

Margarete Bothe

 

Margarete Bothe, (* 22. Juli 1914 in Merseburg; † 12. April 1945 in Leipzig-Lindenthal), war eine deutsche Volksschullehrerin, Historikerin und NS-Opfer.

Bothe wurde als Tochter des Generaldirektors und früheren Landrates Gustav Bothe geboren. Nach dem Abitur in Halle 1936 ließ sie sich zunächst in Braunschweig zur Volksschullehrerin ausbilden und studierte anschließend ab 1938 in Heidelberg und nach Schließung dieser Universität wegen des Kriegsausbruchs in Leipzig Geschichte, Germanistik und Geographie.

Durch ihre Bekanntschaft mit Renate Drucker und Marianne Goerdeler, in deren Elternhaus sie gelegentlich zu Gast war, durch ihre Freundschaft mit Käte Lekebusch (spätere Gadamer), Elisabeth Grosch, Karl-Erich Born u.a. wurde sie Mitglied in einem lockeren Kreis regimekritischer Studentinnen und Studenten. Im Sommer 1944 promovierte sie bei Otto Vossler über „Das Verhältnis von Moral und Politik bei Kant, Herder, Fichte und Hegel“, eine ideengeschichtliche Arbeit ohne direkten Zeitbezug, aber mit auffällig unzeitgemäßen und unheroischen Zitaten Kants und Herders zum Thema Krieg. Im November 1944 legte sie das Staatsexamen für das Höhere Lehramt ab.

Nach Denunziation durch eine Kommilitonin wurde sie am 1. Dezember 1944 wegen Abhörens von Feindsendern verhaftet, ihre ehemaligen Vermieter, der Regimegegner Prof. Alfred Menzel und seine Frau, wenige Tage darauf. Die teilweise dramatische Verhandlung vor dem Sondergericht I in Leipzig endete am 9. Februar 1945 mit einem Freispruch. Die Gestapo behielt sie aber weiterhin in Haft, weil sie ihre ehemaligen Vermieter nicht angezeigt hatte und auch wegen ihrer Besuche im Hause Goerdeler und ihrer Freundschaft mit Käte Lekebusch, die sich wegen regimefeindlicher Äußerungen vor dem Volksgerichtshof verantworten musste. Zeitweise teilte Bothe ihre Zelle mit Hertha Goldmann, der Ehefrau des Verlegers Wilhelm Goldmann, mit der sie enge Freundschaft schloss. Eine Einweisung in ein KZ war offensichtlich geplant, konnte aber nicht mehr verwirklicht werden. Am 12. April wurde Margarete Bothe mit 51 anderen Gestapohäftlingen in Leipzig-Lindenthal erschossen und verscharrt. Nach der Exhumierung am 2. Mai sorgte ihre Freundin Elisabeth Grosch für die Einäscherung und die Überführung der Urne nach Merseburg, wo sie am 5. Februar 1946 zwischen den Gräbern ihrer Großeltern Bithorn beigesetzt wurde.

aus Wiki 2014

 

Wolf-Heinrich von Helldorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

Wolf-Heinrich Graf von Helldorf, auch Wolf Heinrich Graf von Helldorff oder Wolf-Heinrich Graf von Helldorff; (* 14. Oktober 1896 in Merseburg; † 15. August 1944 in Berlin-Plötzensee) war für die NSDAP ab 1933 Reichstagsabgeordneter und Polizeipräsident von Potsdam, später von Berlin. Er war General der Polizei und erreichte als SA-Führer den Rang eines Obergruppenführers. Er knüpfte ab 1938 Kontakte zu Widerstandskreisen und wurde 1944 hingerichtet.

Leben

Er stammte aus dem meißnischen Uradelsgeschlecht von Helldorff, das sich traditionell mit zwei ff schrieb, und war der Sohn des Rittmeisters Ferdinand von Helldorff (* 1869). Wolf-Heinrich diente nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Fahnenjunker im Thüringischen Husaren-Regiment Nr. 12 und wurde 1915 zum Leutnant befördert. Nach Kriegsende war er Angehöriger mehrerer Freikorps, darunter auch des Freikorps Roßbach. 1920 beteiligte er sich am sogenannten Kapp-Putsch und musste danach mehrere Monate nach Italien flüchten.

Zwischen 1921 und 1928 betätigte sich Helldorf in der Landwirtschaft als Rittergutsbesitzer in Wohlmirstedt. Von 1924 bis 1928 und erneut 1932 war Helldorf Mitglied des Landtages, zunächst für die NSFP in Preußen und ab 1. August 1930 für die NSDAP (Mitgliedsnr. 325.408); 1932 war Helldorf deren Fraktionsvorsitzender.

Bereits 1931 war er der SA beigetreten und fungierte als SA-Führer in Berlin. Er organisierte bereits lange vor der Machtübertragung am 12. September 1931 antijüdische Krawalle in Berlin. Im darauf folgenden Strafverfahren kam Helldorf, der von Roland Freisler verteidigt wurde, mit einer geringen Strafe davon.

1933 wurde ihm die SS-Führung von Berlin-Brandenburg anvertraut. In dieser Funktion gab er angeblich die Parole heraus, dass für jeden getöteten Nationalsozialisten jeweils zehn Marxisten zu sterben hätten. Gleichzeitig wurde er in der 9. Wahlperiode 1933 in den Reichstag gewählt. Im März 1933 wurde er zum Polizeipräsidenten von Potsdam ernannt und ab Juli 1935 übernahm er dieselbe Funktion in Berlin.

Verschuldung

Helldorf hatte sein ererbtes Rittergut 1931 verloren. Sein Bankrott war nicht allein durch den Verfall der Agrarpreise zu erklären, vielmehr hatten Wettschulden und verschwenderischer Lebenswandel mit dazu beigetragen. Es wurde kolportiert, Helldorf habe sich bei Erik Jan Hanussen, dem bekannten jüdischen Hellseher, verschuldet und sei von ihm abhängig. Auch als Polizeipräsident machte Helldorf durch Spielschulden, Luxuskäufe, unbezahlte Rechnungen und Mietschulden von sich reden; es kam sogar zu Gehaltspfändungen. Mehrfach erhielt Helldorf zur Entschuldung zinslose „Darlehen“ in beträchtlicher Höhe, die ihm aus Parteikassen gezahlt wurden und die er nicht zurückzahlen musste.[1]

Antisemitismus

Helldorf hatte sich frühzeitig bei Übergriffen gegen Juden hervorgetan. Im März 1933 leitete er eine Gruppe von SA-Leuten, die das Krankenhaus Am Urban stürmten und den ärztlichen Direktor Hermann Zondek sowie weitere jüdische bzw. kommunistische Ärzte eigenmächtig absetzten. In seiner amtlichen Eigenschaft war Helldorf „ein eifriger Befürworter schärferer legaler Verfolgungsmaßnahmen“[2] gegen Berliner Juden. Joseph Goebbels notierte am 2. Juli 1938 im Tagebuch: „Helldorf will in Berlin ein Judenghetto errichten. Das sollen die reichen Juden selbst bezahlen.“ Helldorf erließ im Juli 1938 „Richtlinien für die Behandlung von Judenangelegenheiten“, die in 76 Punkten kleinlichste Verwaltungsschikanen enthielten: Vorladungen vornehmlich am Sabbat, schärfere und häufigere Kontrollen, Verwaltungsgebühren zum Höchstsatz.[3] Goebbels schrieb darüber: „Helldorff [sic!] überreicht mir eine Aufstellung der in Berlin gegen die Juden getroffenen Maßnahmen. Die sind nun wirklich rigoros und umfassend. Auf diese Weise treiben wir die Juden in absehbarer Zeit aus Berlin heraus.“[4] Ab 1938 erpresste er von emigrationswilligen Berliner Juden die sogenannte Helldorf-Spende, bevor er ihnen ihren zuvor konfiszierten Reisepass aushändigen ließ.

Im Gegensatz dazu steht das nachsichtige Urteil des Schriftstellers und NSDAP-Mitglieds Hans-Otto Meissner, Helldorf habe „viele Juden in bemerkenswerter Weise geschützt und einer Anzahl zur Emigration verholfen.“[5] Auch andere Zeitzeugen bestätigen, sie hätten bei Helldorf erfolgreich für jüdische Freunde interveniert. Allerdings gibt es Anhaltspunkte, dass Helldorf dafür Geld empfangen hat.

Kontakte zum Widerstand

Helldorf hatte über seinen Untergebenen Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, mit dem er befreundet war, Kontakte zu hohen Wehrmachtsoffizieren. Er zeigte sich empört über die Intrigen bei der Blomberg-Fritsch-Krise und spielte der Wehrmachtsführung entlastendes Material zu, das von der Gestapo zurückgehalten wurde. Angesichts der drohenden Kriegsgefahr knüpfte er 1938 Kontakte zu Ludwig Beck und Erwin von Witzleben. Helldorf gab später Geheimberichte des Sicherheitsdienstes an Hans von Dohnanyi weiter, in denen die Massenerschießungen in Polen dargestellt waren. Auch zu Friedrich Fromm und Friedrich Olbricht hatte er Verbindung. Mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg traf er sich im Jahre 1944 mehrfach.

Die Verschwörer überschätzten allerdings die Möglichkeit, über Helldorf den Polizeiapparat nutzen oder auch nur neutralisieren zu können. Helldorfs zögerliche Haltung beim Staatsstreich kann dahin gedeutet werden, als wollte er sich nach beiden Seiten absichern. Allerdings muss offen bleiben, ob denn seinen Anordnungen überhaupt Folge geleistet worden wäre.[6]

Tod

 

Erste Seite des Urteils des Volksgerichtshofs, die weiteren Angeklagten sind Bernhard Klamroth, Hans Georg Klamroth, Egbert Hayessen, Adam von Trott zu Solz und Hans Bernd von Haeften

Wegen seiner Teilnahme an der Verschwörung vom 20. Juli 1944 wurde Helldorf vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt. Die Reaktion auf Helldorfs „Verrat“ war überaus heftig. Goebbels klagte wiederholt über den Undank des Verräters, den er gefördert und dem er aus einem Geheimfonds ein Gut von 500 Morgen Land geschenkt habe. Heinrich Himmler zählte 1944 bei seiner Rede vor den Gauleitern Helldorf an erster Stelle unter den Verschwörern auf.[7]

„Jetzt kommt leider etwas ganz Betrübliches. Mit im Bunde war leider ein alter Parteigenosse, Graf Helldorf. Er hat seit einem halben Jahr bis einem Jahr den ganzen Verrat voll und ganz mitgemacht, ausgerechnet er. Das ist eine der paradoxesten Sachen. Er beschwerte sich, die Partei sei so bonzenhaft geworden. Daraufhin wurde ihm aber sofort von unserem Beamten, der ihn vernahm […], gesagt: Erlauben Sie, dann sind Sie der Oberbonze. Ausgerechnet Herr Helldorf, den früher Dr. Goebbels und ich, glaube ich, bestimmt zweimal, wenn nicht dreimal entschuldet haben.[Einwurf von Goebbels: Mit 80.000 Mark, und er besitzt vier Wohnungen im bombardierten Berlin!]“

Auch Hitler klagte, er habe dem Grafen vier- oder fünfmal die Schulden bezahlt, selten weniger als 100.000 Mark. Hitler ordnete hasserfüllt an[8], dass Helldorf drei Hinrichtungen ansehen und danach in Plötzensee erhängt werden solle.

Helldorf wurde auf dem Friedhof in Tangstedt (Kreis Stormarn) bestattet.

Bewertungen

Konrad Heiden bezeichnete Helldorf als „einen Abenteurer und Landsknecht übelster Sorte“. André François-Poncet, damals Botschafter Frankreichs, nannte ihn einen „sinistren Abenteurer“.[9] Albert Speer fühlte sich durch Helldorfs Gier „angewidert“, als dieser sich 1938 in Wien mit Luxusgütern eindeckte.[10] In der Literatur über den deutschen Widerstand wird der Name Helldorf kaum erwähnt. Helldorf „gehört zu den widersprüchlichsten Gestalten des Dritten Reiches“ und wirkt wegen seiner Leichtfertigkeit, seiner Verschwendungssucht, seiner antisemitischen und korrupten Einstellung nicht sympathisch. Andererseits „verharrte er nicht in blindem Glauben“ und Gehorsam, sondern fühlte sich abgestoßen von Intrigen und Massenmorden und wendete sich gegen eine Regierung, die das Land in Krieg und Unglück stürzte.[11]

Auszeichnungen

Wahl zum Provinzlandtag am 12. März 1933